Ziele mit guten Chancen
Der größte Teil unserer finanziellen Mittel ist für neun Krankheiten bestimmt, die die besten Möglichkeiten zur Kontrolle, Beseitigung oder Ausrottung aufweisen. Bei einigen dieser Krankheiten, haben groß angelegte Initiativen bereits gute Fortschritte erzielt. Es muss jedoch noch mehr getan werden. Daher unterstützen wir die Entwicklung und Bereitstellung neuer Medikamente, Impfstoffe, Diagnosetests, Vektorkontrollen und Programmansätze. Unsere Investitionen werden speziell an jede Krankheit angepasst.
Eine Krankheit, bei der gute Chancen auf eine Ausrottung bestehen, ist die Onchozerkose (Flussblindheit). Sie wird durch einen parasitären Wurm verursacht, der über den Biss der Kriebelmücke auf den Menschen übertragen wird. Fast 18 Millionen Menschen sind infiziert – hauptsächlich in Afrika. Durch die Massenbehandlung mit der gespendeten Arznei Ivermectin konnte die Krankheit in vielen Teilen Afrikas und Südamerika beseitigt werden.
Ivermectin tötet jedoch lediglich die Wurmlarven ab. Der erwachsene Wurm bleibt am Leben und kann mehr Larven produzieren, durch die sich die Krankheit verbreiten kann. Das bedeutet, dass die Erkrankten die medizinische Behandlung ein- oder sogar zweimal pro Jahr über einen Zeitraum von 10 oder mehr Jahren hinweg wiederholen müssen. Ein zusätzliches Problem ist, dass Millionen Menschen in Westafrika von einem Augenwurm, auch als Loa loa bekannt, befallen sind und somit kein Ivermectin vertragen. Für diese Bevölkerungsgruppe gibt es also keine wirksame Behandlung gegen die Flussblindheit.
Wir bekämpfen die Onchozerkose mit den aktuell verfügbaren Medikamenten, sofern dies möglich ist. Außerdem unterstützen wir Initiativen zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden, die wirksamer sind und häufiger eingesetzt werden können. Unter anderem suchen wir nach Methoden zur Kontrolle der Krankheitsübertragung sowie nach einem neuen Medikament, das erwachsene Würmer angreift und auch bei Patienten mit Augenwurm sicher eingesetzt werden kann.
Eine weitere Krankheit auf unserer Liste ist das Denguefieber. Hierbei handelt es sich um eine Viruserkrankung, die von einem Moskito übertragen wird. Seit den Sechzigerjahren ist die Anzahl der Fälle weltweit um das Dreißigfache gestiegen. Jedes Jahr werden geschätzte 50 Millionen Menschen damit infiziert. Es gibt keine wirksame Behandlung und die aktuellen Methoden, mit denen die Übertragung kontrolliert wird sind teuer und meist unwirksam, weil sie zu spät zum Einsatz kommen.
Das Denguefieber ist eine Krankheit mit guten Chancen auf Ausrottung, weil es mehrere mögliche Impfstoffkandidaten in der Entwicklung gibt. Wir treffen die Vorbereitungen zur Bereitstellung eines sicheren und kostengünstigen Impfstoffs, sobald dieser verfügbar ist. In der Zwischenzeit investieren wir in die Entwicklung neuer Methoden zur Moskitobekämpfung, um Epidemien zu vermeiden. Zudem fördern wir neue Möglichkeiten zur Erkennung oder gar Vorhersage von Denguefieber-Epidemien. Idealerweise soll die Erkennung so früh erfolgen, dass die Übertragung erfolgreich verhindert werden kann.
Die anderen Krankheiten mit guten Chancen auf Ausrottung lauten: Japanische Enzephalitis, Humane Papillomaviren (HPV), Viszerale Leishmaniose (Schwarzfieber), Hakenwurmkrankheit, Dracontiasis (Medinawurm), Lymphatische Filariose (Elephantiasis) und Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit).
Gemeinsame Initiativen
Wir fördern die Entwicklung gemeinsamer Initiativen, mit denen gleichzeitig mehrere Infektionskrankheiten in einer koordinierten und integrierten Weise bekämpft werden könnten. Hierbei setzen wir folgende drei Schwerpunkte:
• Massenbehandlungen mit Medikamenten: In Gebieten mit mehreren Infektionskrankheiten, die mit denselben Medikamenten oder über ein ähnliches Behandlungsschema behandelt werden können, unterstützen wir Bemühungen zur Koordinierung der einzelnen Bestandteile großer Medikamentenprogramme. Dazu gehört unter anderem die Beschaffung von Medikamentenspenden.
• Überwachung der öffentlichen Gesundheit: Beim Kampf gegen Infektionskrankheiten ist die Sammlung von Daten von großer Bedeutung. Dabei geht es um Daten, die angeben, in welchen Gebieten diese Krankheit bei Menschen und bei Moskitos, Fliegen, Würmern oder anderen Übertragungsvektoren vorkommt. Solche Daten fehlen für viele vernachlässigten Krankheiten. Wir suchen Lösungen, wie gemeinsame Ansätze zur Sammlung, Verarbeitung und zum Zusammenführen von Daten sowie für die Entwicklung effizienter Überwachungsmaßnahmen.
• Vektorkontrolle: Die meisten vernachlässigten Infektionskrankheiten werden von Insekten oder Würmern verursacht bzw. verbreitet und sind nur kostenintensiv und schwierig zu bekämpfen. Die Kontrollmaßnahmen sind jedoch für alle diese Vektoren ähnlich. Somit würde eine Koordinierung über verschiedene Krankheiten hinweg die Effizienz der verschiedenen Vektorkontrollmaßnahmen verbessern. Wir fördern die Entwicklung eines krankheitsübergreifenden Verfahrens. So möchten wir die Verfügbarkeit und die Auswirkungen der Vektorkontrollmaßnahmen verbessern.
Ausklingende Förderung bei Krankheiten
Aktuell verringern wir unser Engagement in Bezug auf drei Krankheiten: Tollwut, Trachom und Zystizerkose (Bandwurminfektion). Mehrere unserer Partner nutzen im Kampf gegen diese Krankheiten aktuell die vorhandenen Behandlungsmethoden und Maßnahmen. Wir unterstützen ihre Arbeit mit unseren letzten Investitionen in diesem Bereich.
Neue Krankheiten
Sechs weitere Krankheiten – Ascaris, Trichuris, Hakenwurm, Bilharziose, Buruli-Ulkus und die Chagas-Krankheit – werden aktuell in Forschungsarbeiten untersucht. Wir möchten ihre Übertragungsmuster besser verstehen und herausfinden, welche Eingriffe zu ihrer Bekämpfung erforderlich sind.