WAS WIR TUN

Wasser, sanitäre Einrichtungen & Hygiene

Strategie

Drucken

Benutzerinnen einer Gemeinschaftstoilette für Frauen in einem Slum in Pune in Indien. Sie haben Mitgliedsausweise.

UNSER ZIEL:

Wir wollen einen allgemeinen Zugang zu einer nachhaltigen Sanitärversorgung schaffen. Wir unterstützen in diesem Zusammenhang die Entwicklung modernster Sanitärtechniken sowie die Schaffung neuer Absatzmärkte für neue Sanitärprodukte und -dienstleistungen.

Herausforderungen

ÜBERSICHT

2,5 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern verrichten ihre Notdurft im Freien oder verfügen nicht über adäquate sanitäre Einrichtungen. Weitere 2,1 Milliarden Stadtbewohner benutzen Toiletten, bei denen die Entsorgung der Fäkalien nicht sachgerecht erfolgt.

Eine unzureichende Sanitärversorgung führt bei Kindern aufgrund von Durchfallerkrankungen zu jährlich 1,5 Millionen Todesfällen.

Eine verbesserte Sanitärversorgung, einschließlich Abwassermanagement und Wertstoffrückgewinnung, ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde und nachhaltige Zukunft der Städte und ländlichen Gemeinschaften in den Entwicklungsländern.

Die Stiftung konzentriert sich auf bahnbrechende Innovationen im Bereich der Sanitärtechnik und auf neue Wege der Bereitstellung von Sanitärprodukten und -dienstleistungen für Menschen in Armut.

Für unsere Strategie im Bereich Wasser, sanitäre Einrichtungen & Hygiene, die zuletzt 2012 aktualisiert wurde, ist Kellie Sloan verantwortlich. Sie ist kommissarische Direktorin der Initiative, die zum Stiftungsbereich Globale Entwicklung gehört.

Die Notwendigkeit einer verbesserten Sanitärversorgung in den Entwicklungsländern ist unbestritten. 40 % der Weltbevölkerung, d. h. 2,5 Milliarden Menschen, verrichten ihre Notdurft im Freien oder verfügen nicht über adäquate sanitäre Einrichtungen. Dies kann sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt katastrophale Folgen haben. Selbst in städtischen Gebieten, in denen Gemeinschaftstoiletten und Toiletten in Privathäusern üblicher sind, verwenden 2,1 Milliarden Menschen Toiletten mit Klärgruben, die nicht sachgerecht entleert werden. Auch Systeme, bei denen die Entsorgung der Fäkalien in offene Gruben oder ins Oberflächengewässer erfolgt, sind weit verbreitet.

Eine unzureichende Sanitärversorgung führt bei Kindern aufgrund von Durchfallerkrankungen jährlich zu 1,5 Millionen Todesfällen. Chronische Durchfallerkrankungen hemmen die Entwicklung von Kindern: Notwendige Nährstoffe, die für die geistige und körperliche Entwicklung sowie das Immunsystem von wesentlicher Bedeutung sind, können schlechter aufgenommen werden. Auch die Aufnahmefähigkeit in Bezug auf Impfstoffe kann dadurch eingeschränkt werden.

Die Schaffung einer sanitären Infrastruktur und einer allgemeinen, auch für arme Menschen zugänglichen Sanitärversorgung, die die Umwelt respektiert, stellt eine große Herausforderung dar. Die in den Industrieländern verbreiteten Toiletten, Kanalisations- und Abwasserreinigungsysteme benötigen große Mengen an Land, Energie und Wasser. Ihre Einrichtung und Instandhaltung ist kostenintensiv. Andere Lösungen mit geringerem Kostenaufwand sind häufig unpraktisch, nicht geruchsneutral und ziehen Insekten an. Sie erweisen sich daher nicht als wirkliche Alternativen.

Chancen

Jede Investition in eine adäquate Sanitärversorgung wie z. B. in den Bau von Latrinengruben kann die öffentliche Gesundheit verbessern und die Lebensqualität von Menschen steigern. Eine adäquate Sanitärversorgung verringert das Auftreten von Durchfallerkrankungen bei Kindern und verbessert insgesamt ihren Gesundheitszustand. Gerade für Frauen und Mädchen bedeuten verbesserte sanitäre Bedingungen mehr Schutz für ihre Würde, Privatsphäre und ihre persönliche Sicherheit.

In einem mehrstöckigen Wohnhaus in Nairobi in Kenia wird eine Latrinengrube geleert.

Wir benötigen vollkommen neue, innovative Lösungen, die in großem Maßstab bereitgestellt werden können, um den Herausforderungen der Sanitärversorgung in den Entwicklungsländern zu begegnen. Innovative Lösungsansätze sind vor allem in urbanen Ballungsgebieten notwendig. Dort werden die Exkremente von Milliarden von Menschen lediglich gesammelt. Es gibt kein nachhaltiges Abwassermanagement, sobald Sammelorte wie Sicker- oder Latrinengruben angefüllt sind. Ein vielversprechender Ansatz sind Lösungen, die an Toiletten mit Wasserspülung und Anschluss an die Kanalisation erinnern, ohne jedoch diese Infrastruktur zu benötigen. Sie sind kostengünstiger, umweltverträglich und ressourcenschonend.

Dank entscheidender Verbesserungen bei der Entwicklung von Toiletten, bei der Entleerung von Latrinengruben und beim Abwassermanagement sowie aufgrund neuer Techniken bei der Wertstoffrückgewinnung können sich Regierungen und ihre Partner leichter einer enormen Herausforderung stellen: der Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen öffentlichen Sanitärversorgung, vor allem in urbanen Ballungsgebieten.

Unsere Strategie

Die Bill & Melinda Gates-Stiftung legt im Rahmen ihres Programms Wasser, sanitäre Einrichtungen & Hygiene den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Programmen und Strategien, die zu grundlegenden und nachhaltigen Verbesserungen der Sanitärversorgung in den Entwicklungsländern führen. Wir unterstützen einige wenige Projekte, deren Ziel eine Versorgung mit sauberem Wasser und verbesserte Hygienebedingungen sind. Unser Hauptanliegen ist jedoch die Sanitärversorgung, die in unseren Augen bislang vernachlässigt wurde. Wir wollen in diesem Bereich sichtbare Veränderungen erzielen.

Sanitäre Einrichtungen im Armutsviertel Kibera in Nairobi in Kenia. Sie wurden von einer öffentlich-privaten Partnerschaft zur Verbesserung der städtischen Sanitärversorgung errichtet.

Die von uns unterstützten Innovationen können gerade in stark bevölkerten Gebieten eine unmittelbare positive Wirkung entfalten. Daher konzentrieren wir uns auf die Sanitärversorgung in urbanen Ballungsgebieten sowie auf öffentliche Programme, die neue Ansätze für die Bereitstellung von Sanitärdienstleistungen in Städten vorsehen. Zu einer unserer Prioritäten gehört die Feststellung und Erprobung solcher neuen Ansätze. Regierungen und Privatwirtschaft sollen allen Stadtbewohnern qualitativ hochwertige Dienstleistungen anbieten können und nicht nur jenen in wohlhabenderen Stadtvierteln. Der Schlüssel zu einer gesünderen und nachhaltigen Lebensqualität in Städten der Entwicklungsländer liegt letztlich in einer verbesserten Sanitärversorgung. Erfolgreiche Modelle können dann erweitert und auch auf den ländlichen Raum angewendet werden.

Es ist Teil unserer Strategie, eine weltweite Nachfrage nach besseren sanitären Bedingungen zu erzeugen. Menschen in ländlichen Gebieten sollen nicht länger ihre Notdurft im Freien verrichten müssen. Wir wollen außerdem das Abwassermanagement verbessern, die Schadstoffreinigung von Abwasser vorantreiben sowie die Wertstoffrückgewinnung und Energiegewinnung fördern.

Die meisten unserer Projekte im Bereich der Sanitärversorgung werden in Südasien und in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara durchgeführt. Dort besteht ein besonders großer Mangel an adäquaten sanitären Einrichtungen.

Schwerpunktbereiche

Wir vergeben unsere Förderleistungen in fünf komplementären Bereichen: Technologien, die zu tiefgreifendem Wandel führen, Absatzmöglichkeiten für Sanitärprodukte und -dienstleistungen in Städten, Nachfrage nach Sanitärversorgung, Programme und Interessengruppen sowie Monitoring und Bewertung.

Technologien im Zeichen des Wandels

Ziel unseres Engagements ist es, die Entwicklung und Bereitstellung innovativer und kostengünstiger Technologien zu unterstützen. Sanitäre Bedingungen in den Entwicklungsländern, insbesondere in urbanen Ballungsräumen müssen grundlegend verbessert werden. Zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist der Innovationswettbewerb „Reinvent the Toilet“. Wir finanzieren damit Forschungsarbeiten zur Entwicklung von hygienischen Toiletten, die ohne Wasser, ohne Anschluss an die Kanalisation und ohne Strom betrieben werden können und täglich weniger als fünf US-Cents pro Benutzer kosten. Die meisten dieser Projekte nutzen Verfahren der Chemotechnik zur Energiegewinnung und Wertstoffrückgewinnung aus menschlichen Exkrementen.

Der Prototyp einer von Forschern an der Loughborough University entwickelten Toilette, der menschlichen Exkrementen Biokohle, Mineralstoffe und Wasser entzieht.

Im August 2012 wurden aus der ersten Runde der geförderten Teilnehmer drei Prototypen zu Gewinnern erkoren. Das California Institute of Technology in the United States erhielt den ersten Preis für seine solarbetriebene Toilette, die zugleich Strom erzeugt. Die Loughborough University in Großbritannien gewann den zweiten Preis für ihre Entwicklung einer Toilette, die Biokohle, Mineralien und sauberes Wasser aus menschlichen Exkrementen produziert. Die University of Toronto in Canada schließlich gewann den dritten Preis mit ihrem Modell einer Toilette, die Fäkalien reinigt und daraus Rohstoffe sowie sauberes Wasser gewinnt. Im Rahmen des Wettbewerbs „Reinvent the Toilet Challenge“ stellen wir weiterhin Förderleistungen zur Verfügung.

Gleichzeitig entwickeln wir marktorientierte Ansätze, um die umweltschädigende Entsorgung von Fäkalabwässern zu beenden. Im Rahmen des Programms Omni-Ingestor sollen privaten Unternehmen, öffentlichen Versorgungsunternehmen und Kommunalverwaltungen einfache und kostengünstige Technologien zur Instandhaltung und Wartung bestehender sanitärer Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Zu diesen Einrichtungen zählen beispielsweise Latrinengruben, Sicker- und Klärgruben. Dabei werden kostengünstige Lösungen zur Verarbeitung von Fäkalschlamm und eine kombinierte Weiterverarbeitung von Fäkalschlamm und städtischen Bioabfällen entwickelt. Ziel ist es, ein Gerät zur Verarbeitung der Abwässer und Abfälle von 1.000-5.000 Stadtbewohnern zu entwerfen. Produktionsspezifischer Abfall können idealerweise zu absatzfähigen und damit gewinnbringenden Produkten weiterverarbeitet werden. Dadurch würden die Kosten für das Management kompensiert, die Akzeptanz der Technologie gefördert und städtische Lebensqualität erhöht.

Absatzmöglichkeiten für Sanitärprodukte und -dienstleistungen in Städten

Diese Toiletten in den Armutsvierteln von Nairobi in Kenia werden von örtlichen Unternehmern vertrieben. Diese nutzen die gesammelten Abwässer für die Erzeugung von Dünger und Strom.

Neue Entwicklungen im Bereich der Sanitärtechnik setzen neue Absatzmöglichkeiten und Dienstleistungsmodelle voraus. Wir erproben die Akzeptanz für diese Innovationen in strategisch wichtigen städtischen Absatzmärkten und realistischen Lebenssituationen. Wir arbeiten zudem mit örtlichen Verwaltungen, Dienstleistungsanbietern und gemeindebasierten Organisationen zusammen, um Richtlinien und regulatorische Rahmenbedingungen zugunsten neuer Sanitärprodukte und ihrer Bereitstellung zu unterstützen.

Besonders vielversprechend sind in unseren Augen Innovationen, die Dienstleistungsanbietern aus der Privatwirtschaft zusätzliche Gewinne durch absatzfähige Nebenprodukte einbringen. So kann beispielsweise aus Fäkalschlamm Energie gewonnen und Dünger erzeugt werden. Wir sind uns allerdings darüber im Klaren, dass solche Einkünfte die Kosten des Abwassermanagements kurzfristig nicht vollständig decken bzw. keine normale Rentabilität aufweisen können. Der öffentliche Sektor wird auch künftig in der Verantwortung stehen und regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, Kontrolle ausüben und einige der Dienstleistungen bereitstellen müssen.

Sanitärversorgung

Die private Toilette eines Haushalts, die im Rahmen eines Sanitärprojekts der Gemeinde im Dorf Badsu in Himachal Pradesh in Nordindien gebaut wurde.

Wir engagieren uns nicht nur für bessere Technologien und Absatzmöglichkeiten in städtischen Gebieten, sondern unterstützen auch Initiativen zur Steigerung der Nachfrage nach verbesserter Sanitärversorgung. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf ländliche Gebiete mit hohen Armutszahlen. Die Zusammenarbeit mit Partnern und Dienstleistungsanbietern im Bereich von Sanitärlösungen ist Teil unserer Arbeit. Wir unterstützen sie bei Entwicklung empirisch belegter Geschäftspraktiken, so dass die von ihnen angebotenen Sanitärdienstleistungen auch tatsächlich den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Wir versuchen auch, eine schrittweise Änderung gesellschaftlicher Hygienevorstellungen zu fördern, um eine verstärkte Nachfrage nach besseren Sanitärprodukten und -dienstleistungen auszulösen.

Programme und Interessengruppen

Unsere Tätigkeit im Hinblick auf Programme und Interessengruppen soll zur Stärkung und Unterstützung von politischen Maßnahmen im Bereich der Sanitärversorgung beitragen. Solche Maßnahmen müssen eine positive Wirkung für Menschen in Armut zeigen. Im Rahmen unserer Strategie engagieren wir uns in Partnerschaften mit Regierungen, multilateralen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und anderen Interessengruppen. Wir versuchen regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen, die zu einer Verbesserung der Sanitärversorgung beitragen.

Monitoring und Bewertung

Wir fördern Initiativen zu Monitoring und Bewertung. Die Wirksamkeit der verschiedenen Ansätze im Bereich der Sanitärversorgung muss untersucht werden. Wir verwenden die gewonnenen Informationen in mehreren Bereichen: Wir messen Fortschritte bei unserer Arbeit, bewerten die Wirkungskraft unserer Förderleistungen und tauschen unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mit unseren Partnern aus.

Besuchen Sie unseren Blog

Verbinden