Routineimpfungen
Letztlich sind unsere Anstrengungen im Impfbereich von stabilen Strukturen in den einzelnen Ländern abhängig. Wir engagieren uns daher in Partnerschaften, deren Programme diese Strukturen stärken und unterstützen. Zu unseren Partnern zählen die Weltgesundheitsorganisation WHO, das Kinderhilfswerk UNICEF, die GAVI Alliance sowie zivilgesellschaftliche Organisationen.
Wir investieren darüber hinaus in die Entwicklung von Methoden und Forschung. Darunter fallen Initiativen für eine verbesserte Erhebung und Auswertung von impfstoffbezogenen Daten und für die Erfolgsmessung bei Impfmaßnahmen. Wir unterstützen auch Initiativen zur Entwicklung neuer Diagnosetests, mit deren Hilfe Mitarbeiter im Gesundheitswesen Immunität gegen Krankheiten leichter bestimmen können.
Eine weitere Priorität unserer Arbeit ist die Stärkung von Versorgungsketten und der Logistik. Wir unterstützen die Entwicklung neuer Methoden und Ansätze zur Verbesserung des Transports, der Beschaffung und der Verwaltung von Impfstoffen. Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn Länder die Versorgung einer größeren Anzahl von Menschen mit neuen und teuren Impfstoffen planen. Viele Impfstoffe sind temperaturempfindlich. Ihre sichere und effiziente Beschaffung setzt spezielle Bedingungen bei Lagerung, Transport und Handhabung voraus.
Im Bereich der Routineimpfungen sind wir der Auffassung, dass der Masern-Bekämpfung mehr Beachtung zukommen sollte. Wir setzen uns ein für stabile Routineimpfstrukturen, um Masern-Impfstoffe im Rahmen von gut geplanten und ausgeführten Aufklärungskampagnen bereitzustellen. Einer Reihe ausgewählter Länder, unter anderem auch Indien, Nigeria und Äthiopien, gilt dabei unsere besondere Aufmerksamkeit. In diesen Ländern sind sehr viele Kindern nicht geimpft. Wir können dort jedoch auf gute Beziehungen mit den Regierungen zählen und betreuen bereits eine Vielzahl anderer Programme.
In Indien liegt unser besonderer Schwerpunkt auf den Staaten Bihar und Uttar Pradesh. In Bihar können wir auf erfolgreiche Bemühungen zur Erhöhung der Durchimpfungsraten aufbauen. Wir unterstützen außerdem Programme zur Erprobung und Bewertung verschiedener Innovationen, darunter Technologien für die Registrierung, Überwachung und Erfassung von Impfungen. Wir wollen bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens und Familien durch innovative Ansätze für mehr Interesse und Bewusstsein in Bezug auf Impfschutz sorgen.
Impfstoffeinführung
Einer unserer wichtigsten Partner ist die GAVI Alliance, eine global agierende öffentlich-private Partnerschaft aus Wissenschaftlern, Gesundheitsexperten, Regierungsmitgliedern, Geschäftsleuten und gemeinnützigen Organisationen. Ziel dieser Organisation ist es, alle Kinder dieser Welt zu impfen. GAVI finanziert den Einkauf von Impfstoffen und bietet bedürftigen Ländern technische Unterstützung. Die Stiftung hat seit 1999 2,5 Mrd. USD an Förderleistungen an die GAVI Alliance vergeben.
GAVI unterstützt Länder bei der Einführung von Impfungen gegen Pneumokokken und Rotaviren, die Hauptauslöser von Lungenentzündung und schweren Durchfallerkrankungen sind. Diese Infektionen gehören zu den häufigsten Ursachen der Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern. GAVI unterstützt zudem Pilotprojekte zur Einführung von HPV-Impfungen. Sie schützen gegen Gebärmutterhalskrebs, der zu den häufigsten Todesursachen durch Krebserkrankung bei Frauen in den Entwicklungsländern zählt.
In der Vergangenheit hat es 15 bis 20 Jahre gedauert, bis Impfstoffe aus den reichen Ländern ihren Weg in die ärmsten Länder dieser Welt gefunden haben. Heute ist dafür weniger Zeit notwendig, was teilweise auf die Zusammenarbeit von GAVI mit der Industrie zurückzuführen ist: Die Preise für Impfstoffe sind zurückgegangen.
Innovative und marktorientierte Ansätze
Wir wollen bedürftige Menschen mit erfolgversprechenden neuen Impfstoffen versorgen. Daher bauen wir innovative Partnerschaften auf, die den gesamten Zyklus von Forschung über Entwicklung bis hin zur Bereitstellung begleiten. Wir fördern beispielsweise eine umfangreiche Partnerschaft zwischen PATH, der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Serum Institute of India und afrikanischen Regierungen. Ziel dieser Partnerschaft ist es, einen kostengünstigen Impfstoff gegen Meningitis A zu entwickeln. MenAfriVac ist der erste Impfstoff, der speziell für Afrika konzipiert wurde. Er hat im ersten Jahr seiner Einführung bereits zu einer drastischen Verringerung der Infektionsraten geführt. Erfolgversprechende Impfstoffe gegen Malaria und Dengue-Fieber befinden sich derzeit im Endstadium ihrer Entwicklung und könnten eine wesentliche Rolle in der Bekämpfung dieser Krankheiten spielen.
Die Stiftung fördert außerdem Forschung und Entwicklung bei der Verbesserung bestehender Impfstoffe. Zu den Weiterentwicklungen gehört die Verwendung von Hilfsstoffen, die eine stärkere Immunantwort auslösen und den Antigenmengenbedarf pro Dosis reduzieren könnten. Dadurch würden die Kosten der Immunisierung gesenkt. Auch eine Verringerung der Anzahl der notwendigen Dosen erleichtert die Durchführung von Impfungen und zählt zu den Verbesserungen in diesem Bereich. Wir unterstützen zudem Forschungen zur Vereinfachung von Impfungen durch neuartige Impfarten ohne Injektion oder mit temperaturunabhängigen Impfstoffen, die keinerlei Kühlung bedürfen.
Neben Bereitstellung und Nachfrage spielt der Preis eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Einführung und die nachhaltige Verwendung eines neuen Impfstoffs. Ohne eine klare Vorstellung von der Nachfrage nach einem Impfstoff und der Art seiner Bereitstellung sind Investitionen in Produktentwicklung und -herstellung für Impfstoffhersteller von geringem Interesse. Wir stellen uns dieser Herausforderung im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Innovative, marktorientierte Finanzierungsmechanismen sollen eine Entwicklung von Impfstoffen zu niedrigen Kosten gewährleisten.
Diese Finanzierungsmechanismen haben zu einer Preissenkung für Rotavirus- und Pneumokokken-Impfstoffen geführt. Auch die Kosten für Fünffachimpfstoffe, die gleichzeitig gegen fünf tödliche Krankheiten immunisieren, sind gesunken. Wir setzen uns für eine ausreichende Versorgung mit diesen Impfstoffen ein, um den Bedarf von Ländern weltweit zu decken.
Der verstärkte Wettbewerb auf dem Impfstoffmarkt wird ebenfalls zu Kostensenkungen bei Impfstoffe führen. Wir unterstützen den Aufbau von Produktionsanlagen und den Markteintritt neuer Anbieter, damit qualitativ hochwertige Impfstoffe in ausreichenden Mengen zu niedrigen Preisen hergestellt werden können. Impfstoffhersteller in Brasilien, Indien und China haben die Qualität ihrer Produkte kontinuierlich erhöht und tragen zu einer internationalen Preissenkung bei.
Evidenzbasierte Entscheidungsprozesse
Die Verantwortlichen in Entwicklungsländern müssen sich vor der Entscheidung, welche Impfstoffe wann eingeführt werden sollen, eine Reihe von Fragen stellen: Wie hoch ist die Krankheitslast in ihrem Land? Welche Wirkung wird der neue Impfstoff in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe haben? Welche Vorteile bietet eine Impfung im Vergleich zu anderen gesundheitlichen Maßnahmen?
Wir unterstützen die Verantwortlichen bei der Bewertung neuer Impfstoffe mit zuverlässigen Informationen und Analysen. Dadurch kann der Prozess der Entscheidungsfindung beschleunigt werden. Präzise Daten der finanziellen Belastung durch Krankheiten sind eine wesentliche Voraussetzung für die genaue Berechnung der Kosteneffizienz von Impfungen. Die Länder benötigen zudem genaue Preis- und Produktinformationen, um das passende Produkt zum günstigsten Preis einkaufen zu können. Unsere Partner können dann die jeweiligen Entscheidungsträger in der Planung der Einführung von Impfstoffen beraten.
Arbeit von Interessengruppen
Wir engagieren uns auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene dafür, dass Impfschutz eine Priorität bleibt. Wir verpflichten uns zur Unterstützung und Stärkung der GAVI Alliance und unserer anderen Partner, die sich für die Verbesserung und Ausweitung von Immunisierungen einsetzen.