WAS WIR TUN

Polio

Strategie

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Kinder, die die Grenze von Pakistan nach Afghanistan überqueren, werden im Rahmen eines Programms von Rotary International per Schluckimpfung gegen Polio geimpft.

UNSER ZIEL:

Wir möchten Polio weltweit ausrotten.

Herausforderungen

ÜBERSICHT

Als im Jahr 1988 die Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis (GPEI) gestartet wurde, war das Poliovirus in 125 Ländern noch endemisch vorhanden und verursachte täglich bei ungefähr 1000 Kindern Lähmungen.

Seit diesem Zeitpunkt haben die Poliofälle aufgrund von Impfkampagnen um mehr als 99 Prozent abgenommen. Etwa 2,5 Milliarden Kinder wurden geimpft.

Indien wurde lange Zeit als das schwierigste Land für die Ausrottung von Polio betrachtet. Es wurde jedoch im Februar 2012 als poliofrei erklärt. In nur drei Ländern ist das Poliovirus noch vorhanden: Nigeria, Pakistan und Afghanistan.

Die Stiftung ist einer der Hauptunterstützer der GPEI, bei der nationale Regierungen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Rotary International, die US-Zentren für Krankheit, Kontrolle und Vorsorge sowie die UNICEF eine Vorreiterrolle übernehmen.

Für unsere Polio-Strategie, die zuletzt 2012 aktualisiert wurde, ist Jay Wenger verantwortlich. Er ist Direktor des Programms, das zum Stiftungsbereich Globale Entwicklung gehört.

In den letzten beiden Jahrzehnten konnten signifikante Fortschritte bei der Ausrottung von Polio erzielt werden. Als die Weltgesundheitsversammlung im Jahr 1988 sich die Ausrottung der Krankheit zum Ziel setzte und die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) gestartet wurde, war das Poliovirus in 125 Ländern noch endemisch vorhanden und jährlich kam es zu 350.000 Lähmungen durch Polio – hauptsächlich bei kleinen Kindern. Seit dieser Zeit konnte die Anzahl der Poliofälle weltweit durch Impfkampagnen um mehr als 99 Prozent gesenkt werden. So konnten mehr als 10 Millionen Kinder weltweit vor Lähmungen geschützt werden. Polio tritt immer noch auf, ist aber endemisch nur noch in drei Ländern vorhanden: Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Dort wurden im Jahr 2012 weniger als 250 Fälle gemeldet, im Vergleich dazu waren es im Jahr 2011 noch 650 Fälle.

Die bisher durch effiziente, sichere Impfstoffe und Impfkampagnen, durch eine globale Partnerschaft sowie durch den globalen Auftrag zur Ausrottung von Polio erzielten Erfolge sind jedoch stets bedroht. Seit dem Jahr 2008 wurden in mehr als 20 Ländern Polio-Epidemien verzeichnet. Die Krankheit wurde hierbei aus endemischen Ländern importiert – in einige Fällen sogar mehrmals. Versuche, nicht geimpfte Kinder zu erreichen, werden oft durch Sicherheitsrisiken sowie aus geografischen und kulturellen Gründen verhindert. Die hohen Kosten für Impfkampagnen – 1 Milliarde US-Dollar jährlich – können nicht langfristig aufgewendet werden. Wenn wir diese enorm ansteckende Krankheit nicht innerhalb eines Jahrzehnts ausrotten, könnte das ein Wiederaufflammen mit bis zu 200.000 neuen Fällen pro Jahr zur Folge haben.

Chancen

Bei der Weltgesundheitsversammlung 2012 erklärten 194 Mitgliedstaaten die völlige Ausrottung von Polio zu einem „programmatischen Notfall für die Weltgesundheit“. Ein gemeinsames Programm zur Ausrottung von Polio bietet die Chance alle Kinder weltweit für immer vor der Kinderlähmung zu schützen. Schätzungen sprechen dafür, dass die Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis (GPEI) über die nächsten 20 Jahre hinweg Nettogewinne von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar abwerfen könnte. 85 Prozent der Nettogewinne werden dabei in Ländern mit geringem Einkommen entstehen. Diese Zahl beinhaltet noch keine weiteren gesundheitlichen Verbesserungen, die durch andere Initiativen der GPEI entstehen, u. a. durch die Versorgung mit Vitamin A. Sie beinhaltet auch keine noch größeren Nettogewinne, die in Ländern entstanden sind, in denen Polio bereits ausgerottet war, bevor die GPEI gestartet wurde.

Indien wurde im Februar 2012 als poliofrei erklärt. Dieses Land ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie ein vollfinanziertes Programm mit engagierten Anführern und Mitarbeitern zu einem Erfolg führen kann. Von Indien dachte man viele Jahre lang, dass es aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte, der hohen Migration, der schlechten sanitären Einrichtungen, der hohen Geburtenrate und der geringen Anzahl von Routineimpfungen zu den Ländern gehören würde, in der die Ausrottung von Polio am schwierigsten vonstatten gehen könnte.

Die Polio-Impfteams holen sich Impfstoffe am Bahnhof im Staat Bihar in Nordindien ab.

Nach mehrjähriger Arbeit waren es eine Reihe von Faktoren, die zur Ausrottung von Polio in Indien beitrugen. Dazu gehörten u. a. eine sehr zielgerichtete, datengestützte Planung, gut geschulte und motivierte Mitarbeiter, rigoroses Qualitätsmonitoring, effiziente Kommunikation, Zusammenarbeit mit zuverlässigen Anführern von Gemeinden und Religionsgemeinschaften sowie der politischer Wille auf allen Ebenen – und eine entsprechende Unterstützung durch finanzielle Mittel. Indien bietet mittlerweile den Ländern Nigeria, Afghanistan und Pakistan technische Hilfestellung und gibt bewährte Vorgehensweisen an sie weiter.

Durch globale Zusammenarbeit und innovative Lösungen sind neue Maßnahmen und Ansätze entstanden, die bei der Logistikplanung für die Ausrottung von Polio helfen können. Verbesserungen am Polio-Impfstoff selbst haben zu einer besseren Immunreaktion auf die verbleibenden Typen der Krankheit geführt. (Der Wildtyp 2 des Polio-Erregers wurde im Jahr 1999 eliminiert.) Neue Diagnoseverfahren, Überwachungen, Kartierungen und Modelle ermöglichen eine schnellere und präzisere Verfolgung von Poliofällen und Übertragungsmustern.

Um die Übertragung in ihren Ländern schneller zu stoppen haben die Regierungen in Nigeria, Pakistan und Afghanistan nationale Notfallpläne ausgearbeitet, die von den entsprechenden Regierungsoberhäuptern kontrolliert werden und die die Zuverlässigkeit und Qualität der Polio-Impfkampagnen von der nationalen bis zur lokalen Ebene verbessern. Die Weltgesundheitsorganisation bietet diesen Ländern eine beispiellose technische Hilfestellung und verbesserte Strategien für Impfkampagnen an. So wird sichergestellt, dass mehr Kinder erreicht werden. Durch bessere Planung und Modellansätze können die Ressourcen besser genutzt werden.

So konnte Pakistan die Anzahl der Poliofälle von 198 im Jahr 2011 auf 56 im Jahr 2012 senken. In Afghanistan gab es während desselben Zeitraums eine Abnahme von 80 auf 35 Fälle. Die Anzahl der Fälle in Nigeria stieg von 62 im Jahr 2011 auf 119 im Jahr 2012, jedoch zeigen neue Initiativen zur Verbesserung der Kampagnenqualität einige positive Resultate.

Die GPEI entwickelte bis zum Jahr 2018 eine Sechsjahresstrategie. Diese bildet die Grundlage für alle Aktivitäten zur Eindämmung der Polio-Übertragung und wird zu einer poliofreien Welt führen. Dazu gehört die Nutzung von Daten und deren rigorose Analyse zur Festlegung spezifischer Impfziele auf Länderebene. Auch der Einsatz neuer Maßnahmen und Ansätze, mit denen eine effizientere Umsetzung des Programms möglich ist, ist Teil der Strategie. Die Kosten für die Vollfinanzierung dieser Arbeit belaufen sich auf schätzungsweise 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr.

Die weltweite erfolgreiche Ausrottung von Polio setzt Impulse. Weitere Impfkampagnen gegen andere vermeidbare Krankheiten zum Schutz der Kinder in den ärmsten und am wenigsten zugänglichen Gegenden der Welt werden folgen. Die Ausrottung von Polio ist zudem ein wichtiger Meilenstein in der Impfstoffdekade und gemeinsames Ziel von fast 200 Ländern. Gemeinsam möchten wir bis zum Jahr 2020 allen Menschen dieser Erde die Vorteile von Impfstoffen bieten.

Unsere Strategie

Die Ausrottung von Polio gehört zu den Hauptanliegen der Bill & Melinda Gates-Stiftung. Als einer der Hauptunterstützer der GPEI konnten wir unseren GPEI-Partnern technische und finanzielle Ressourcen bieten, damit diese ihre Bemühungen zur Ausrottung von Polio forcieren konnten. Viele dieser Strategien sind vielfach bewährt, u. a. zielgerichtete Impfkampagnen, Einbindung von Gemeinden und verstärkte Routineimpfungen. Außerdem arbeiten wir gemeinsam mit Partnern an innovativen Möglichkeiten zur besseren Überwachung von Polio und zur Reaktion auf Epidemien. Wir treiben die Entwicklung und den Einsatz sicherer und effizienterer Polio-Impfstoffe voran und kümmern uns um die finanzielle und politische Unterstützung der Ausrottungsbemühungen durch Geberländer und auch durch die von Polio betroffenen Länder.

Der Stiftung bietet sich eine ganz besondere Chance, zur Ausrottung von Polio beizutragen, indem sie große Risiken eingeht und alternative Investitionen vornimmt, die zu wertvollen Programmverbesserungen führen können. Beispiele hierfür wären unsere Unterstützung der Geographic Information System (GIS)-Kartierung, die bisher per Hand gezeichnete Karten ersetzt und zur Planung von Kampagnen dient. Per GPS können nun die Bewegungen von Impfkampagnenteams verfolgt werden. Auch unsere Investitionen in die Erforschung von Polio-Impfstoffen sind hier erwähnenswert.

Schwerpunktbereiche

Polio-Impfkampagnen

Wenn die Reichweite von Polio-Impfkampagnen verbessert wird und Verbesserungen in Bezug auf Mitarbeiter, technische und programmatische Innovationen, sowie in den Bereichen Datensammlung und -analyse vorgenommen werden, kann die erforderliche Durchimpfungsrate erzielt und somit die GPEI-Ziele erreicht werden. Wir haben uns vorgenommen, die Qualität der Kampagnen in Nigeria, Afghanistan und in Pakistan zu verbessern. Ebenfalls unter Beobachtung stehen hierbei andere Gebiete in Afrika, in denen die Gefahr einer erneuten Einführung von Polio besteht.

Kinder werden bei einer Veranstaltung zur Eröffnung einer Polio-Impfkampagne in Kano in Nigeria per Schluckimpfung immunisiert.

Ein Eckpfeiler der GPEI-Strategie zur Polioausrottung ist das Ziel, alle Kinder im ersten Lebensjahr in den Ländern mit dem höchsten Risiko zu erreichen. Sie sollen mehrfach per Schluckimpfung immunisiert werden. Das soll sowohl über nationale, als auch über lokale Impfkampagnen erfolgen. Dazu wird in Gegenden, in denen der Polio-Erreger vorkommt oder in denen ein Verdacht auf Polio-Infektionen besteht, per Hausbesuch geimpft. Auf der Liste stehen außerdem Gebiete, in denen ein Risiko auf eine erneute Einführung von Polio besteht und Regionen mit begrenztem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, hoher Bevölkerungsdichte und Mobilität, schlechten sanitären Einrichtungen und geringen Routineimpfungen.

Wir möchten verstehen welche lokalen sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Gründe einer Steigerung der Durchimpfungsrate im Wege stehen und wie sie überwunden werden können. Außerdem möchten wir die Zusammenarbeit mit den politischen Anführern und den Mitarbeitern des Gesundheitsdiensts fördern und ihre Unterstützung gewinnen. Dazu gehören auch niedergelassene Ärzte und medizinische Vereinigungen. Zusätzliche Mitarbeiter und die Schulung von Impfteams sowie eine bessere technische Unterstützung gehören ebenfalls zu unseren Prioritäten.

Wir nutzen anspruchsvolle Hilfsmittel zur Kartierung und Verfolgung und können Haushalte in Dörfern ermitteln, in denen Kinder noch keine Schluckimpfung erhalten haben. So können wir den Impfteams helfen. Mit solchen Hilfsmitteln können die Impfteams auch Nomaden verfolgen und diese mit dem Impfstoff erreichen.

Routineimpfungen

Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir die umfassenden Routineimpfprogramme verstärken, bei denen sowohl gegen Polio als auch gegen eine Reihe anderer vermeidbarer Krankheiten geimpft wird, u. a. gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Masern. Aktuell erhalten ca. 20 Prozent aller Kinder auf der Welt keinerlei Impfungen.

Wenn wir alle Gemeinden mit Routineimpfungen erreichen möchten, müssen wir wissen, wie wir lokale Hindernisse überwinden können, und anspruchsvolle Hilfsmittel zur Verfolgung und Planung einsetzen. Ein starkes und koordiniertes Immunisierungssystem kann auch als Plattform für andere Gesundheistdienstleistungen dienen. Andere Teams unserer Stiftung arbeiten daran, alle erforderlichen Komponenten eines solchen Systems zusammenzuführen. Sie suchen nach Möglichkeiten, die Poliomaßnahmen und Schulungsprogramme zu erweitern und abzuändern, damit diese für Routineimpfungen gegen eine Reihe von Krankheiten verwendet werden können.

Überwachung und Monitoring

Ärzte untersuchen einen verdächtigen Fall von Polio bei einem Kleinkind im Staat Bihar in Indien.

Es ist von größter Bedeutung, herauszufinden wo und wie der Wildtyp des Polio-Erregers noch zirkuliert und zu überprüfen, ob das Virus erfolgreich ausgerottet wurde. Ein effizientes und empfindliches Überwachungssystem ist für die präzise Durchführung zielgerichteter Kampagnen ausschlaggebend. Auf schnelle und effiziente Weise müssen programmatische Anpassungen vorgenommen werden. Epidemien müssen schnell erkannt und angegangen werden.

Die Überwachung von Polio ist vor allem deshalb problematisch, weil nur ein kleiner Prozentsatz von Infektionen in klinisch erkennbaren Lähmungen resultiert. Eine Infektion mit dem Polio-Erreger kann durch Stuhlproben von verdächtigen Infizierten bestätigt werden. Diese werden in einem Labor auf das Vorhandensein des Virus untersucht.

Wir setzen uns für die Bewertung und Verbesserung der aktuellen Überwachungsmaßnahmen ein und konzentrieren uns dabei auf die Gebiete mit dem höchsten Risiko. Ein Bereich für Verbesserungen ist die Überwachung der Umwelt. Dazu gehört die Entnahme und das Testen von Wasserproben aus Abwassersystemen und anderen Wasserquellen. Diese können Aufschluss über eine Polio-Infektion in den umgebenden Gemeinden geben. Wir haben in eine Technologie investiert, die eine empfindlichere Diagnose mit kleineren Proben sowie eine hygienischere Sammlung der Proben ermöglicht. Außerdem unterstützen wir die Entwicklung weniger kostspieliger und zuverlässigerer Diagnosetests für das Labor. So soll ein Diagnosetest zum Einsatz kommen, der es kleineren Laboren vor Ort schnell ermöglicht negative Proben auszuschließen und positive Proben zur Bestätigung an größere Referenzlabore zu schicken.

Produktentwicklung und Marktzugang

Obwohl die aktuellen Impfstoffe und Diagnosetests bei der Beseitigung des Wildtyps des Polio-Erregers in den meisten Ländern sehr effizient waren, eignen sie sich eventuell nicht für eine komplette Ausrottung der Krankheit. Wir möchten gemeinsam mit Partnern die Wirksamkeit vorhandener Maßnahmen verbessern und gleichzeitig die Entwicklung sicherer Impfstoffe beschleunigen. Dazu wünschen wir uns bessere Diagnosetests, neue Medikamente gegen das Virus und andere Produkte. Wir arbeiten auch mit Partnern, Lieferanten und Regierungen daran, eine ausreichende Versorgung mit Impfstoffen sicherzustellen und daran die Konkurrenz auf dem Markt zu fördern.

In den meisten Entwicklungsländern wird per Schluckimpfung gegen Polio geimpft. Diese Impfung ist sicher, effizient, einfach zu verabreichen und kostengünstig. Aber dieser oral verabreichte Impfstoff besteht aus lebenden, abgeschwächten Erregern, die in sehr seltenen Fällen (eine von 2,7 Millionen Impfdosen) eine Lähmung verursachen kann. In Gebieten mit geringer Durchimpfungsrate können die Viren des Schluckimpfstoffs auch mutieren und in der Bevölkerung zirkulieren – genau wie der Wildtyp des Polio-Erregers.

Wir setzen uns für die Entwicklung neuer Impfstoffe für die Schluckimpfung ein, die nicht mit dem Risiko der Mutation behaftet sind. Auch alternative Impfstoffe zur Schluckimpfung sollen erforscht werden. Eine der viel versprechendsten Alternativen ist der Totimpfstoff, der routinemäßig in den meisten Industrieländern zum Einsatz kommt. Auf breiter Ebene wird er sonst jedoch nicht verwendet. Die Kosten dafür liegen höher und es ist erforderlich, dass er durch geschultes medizinisches Personal durch eine Injektion verabreicht wird. Wir möchten erreichen, dass die Kosten für den Totimpfstoff gesenkt werden. Außerdem müssen die erforderlichen Schulungen, Lieferungen, Versorgungsmöglichkeiten und die Kommunikationsinfrastruktur konzipiert werden, damit seine Verbreitung gesteigert werden kann. Wir bemühen uns auch um die Entwicklung von Medikamenten gegen Polio. Mit diesen könnte nach der Ausrottung des Polio-Erregers künftig auf zufällige oder absichtliche Neuinfektionen reagiert werden.

Immer geht es auch um die Entwicklung besserer Tests in Bezug auf die Immunität gegen Polio. Eine Blutprobe ist aktuell die einzige Möglichkeit zur sicheren Bestimmung einer Immunität gegen Polio. Ein Bluttest größerer Bevölkerungsgruppen wird jedoch beispielsweise dadurch behindert, dass beim Sammeln von Blutproben eine Zustimmung der Regierung erforderlich ist. Wir möchten ein einfaches, kostengünstiges Gerät entwickeln, mit dem eine Speichelprobe oder eine andere leicht zu erhaltenden Probe analysiert werden kann. So soll der Immunstatus von Kindern gegen Polio, Tetanus und Masern erfasst werden.

Datenbasierte Entscheidungsprozesse

Die Sammlung und Weitergabe von Daten ist für die Ausrottung von Polio von größter Bedeutung. Wir möchten den Zugang zu Daten und deren Nutzung verbessern. So können bessere Entscheidungen in Bezug auf Programme getroffen, Fortschritte können verfolgt, die Überwachung der Umwelt verbessert und die Entwicklung von Impfstoffen und Diagnosetests kann vorangetrieben werden. Wir arbeiten mit einer Gemeinschaft von Modellierern, die von der University of Pittsburgh über die Vaccine Modeling Initiative angeführt wird. Sie sollen ein allgemein gültiges Rahmenwerk für die Kampagnen zur Ausrottung von Polio entwickeln. Anhand dieses Rahmenwerks sollen wichtige Entscheidungsbereiche ermittelt, die erforderlichen Daten für fundierte Entscheidungen bereit gestellt und die erforderlichen Mitarbeiter und Partner zur Auswertung der Daten und zum Erstellen der Modelle gefunden werden.

Zudem möchten wir gemeinsam mit den GPEI-Partnern erreichen, dass nicht mehr die aufgetretenen Poliofälle für die Berechnung des Fortschritts und des Risikos verwendet werden, sondern die Immunität der Bevölkerung. Wir unterstützen Kid Risk, eine gemeinnützige Gruppe mit umfassender Erfahrung in der Risikomodellierung. Sie hat ein System entwickelt, mit dem die Immunität der Bevölkerung kontinuierlich eingeschätzt werden kann. Das System ist noch in der Testphase und nutzt Daten aus Nigeria und Indien. Im Jahr 2013 wird es in allen Ländern mit hoher Priorität zum Einsatz kommen. Außerdem arbeiten wir mit der Organisation Global Good aus Seattle daran, ein Immunitätsmodell zu erstellen und auf Grundlage der gesammelten Daten Vorhersagen für das Ende der Polio-Infektionen in Nigeria und Pakistan zu treffen.

Um den Zugang zu Daten und deren Weitergabe zu verbessern, entwickeln wir bei der Weltgesundheitsorganisation eine Datenzugangsplattform. Diese wird wichtige Daten zu Polio enthalten. Sie sind standardisiert, qualitätsgeprüft und stehen für die Auswertung und Entscheidungsfindung zur Verfügung. 

Eindämmungspolitik

Die Eindämmung und endgültige Ausrottung der Polio-Erreger vom Wildtyp in Laboren ist ein wichtiger Schritt. So können wir verhindern, dass das Virus „entkommt“ und die Krankheit wieder ausbricht. Die letzten von der WHO ausgegebenen Richtlinien zur Eindämmung werden als GAP III bezeichnet und liegen seit 2009 als Entwurf vor. Diese Richtlinien und Sicherheitsvorkehrungen müssen aktualisiert werden, um die neuesten Entwicklungen widerzuspiegeln. Sie müssen noch lange vor der Ausrottung von Polio in endgültiger Form vorliegen.

Wir arbeiten gemeinsam mit unseren GPEI-Partnern daran, umgehend eine internationale Vereinbarung zu treffen, die regelt, wie restliche Polio-Erreger, die für die Impfstoffproduktion, für die Forschung und für die diagnostische Reagenzproduktion verwendet werden. Ebenfalls benötigen wir festgelegte Vorgehensweisen zur Lagerung und Zerstörung von Viren sowie Kriterien und Methoden für möglicherweise wiedereingeführte oder neu auftretende Polio-Erreger.

Weitere wichtige Aspekte sind die Bereitstellung relevanter Programme und deren entsprechende Umsetzung sowie die Regelung der Führungsinfrastrukur auf globaler, regionaler und nationaler Ebene.

Bisherige Planung

Über zwei Jahrzehnte hinweg wurden im Rahmen der GPEI Millionen Mitarbeiter und Freiwillige geschult und mobilisiert, es wurden Haushalte und Gemeinden ermittelt und erreicht, die von anderen Initiativen stets unberührt blieben, und es wurde ein zuverlässiges globales System zur Überwachung und Reaktion eingeführt.

Durch die Ausrottungsbemühungen in Bezug auf Polio haben die GPEI-Partner gelernt, wie man logistische, geografische, soziale, politische, kulturelle, ethnische, geschlechtsspezifische, finanzielle und andere Hindernisse überwindet und wie man mit den Menschen in den ärmsten und am schwierigsten zugänglichen Gegenden zusammenarbeitet. Der Kampf gegen Polio hat dazu geführt, dass neue Möglichkeiten gefunden wurden, die Gesundheit der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern – das betrifft die Bereiche politisches Engagement ebenso wie Spenden, Planungs- und Managementstrategien oder Forschung. Als Ergebnis konnten durch die GPEI eine Reihe nützlicher Ressourcen gewonnen werden. Dazu gehören die genaue Kenntnis der Gruppen mit hohem Risiko und der Migrationsmuster, effiziente Planungs- und Überwachungsmethoden, gut geschulte Mitarbeiter, lokale und regionale technische Berater sowie ein breit gefächertes Engagement politischer und organisatorischer Art, das auf erfolgreichen Partnerschaften von globalen, nationalen, religiösen und lokalen Anführern beruht. Diese Kenntnisse waren bereits für die Reaktion auf andere gesundheitliche Bedrohungen und bei Notfällen hilfreich, u. a. bei Fällen von Meningitis in West- und Zentralafrika, der H1N1-Grippe in afrikanischen Staaten südlich der Sahara und im asiatischen Subkontinent sowie bei Hochwasser- und Tsunami-Katastrophen in Südasien.

Gemeinsam mit der GPEI möchten wir herausfinden, wie die Polio-Infrastruktur, z. B. die Versorgungsketten, Überwachungs- und Laborsysteme sowie die sozialen Mobilisierungsnetzwerke, langfristig für andere Gesundheitsinitiativen und Immunisierungsprogramme genutzt werden kann. Das ist vor allem wichtig, nachdem Polio erfolgreich ausgerottet wurde.

Interessengruppen und Kommunikation

Eine Frau macht in Sokoto in Nigeria mit Impfstoffen Hausbesuche.

Wir setzen uns gemeinsam mit den GPEI-Partnern für die Beschaffung von Spenden und für eine nachhaltige globale und nationale politische Unterstützung im Kampf für die Ausrottung von Polio ein. Dazu gehört auch, dass wir Regierungen davon überzeugen für Maßnahmen gegen Polio zu spenden und neue Geber aus anderen Bereichen suchen. Wir ermutigen zudem Regierungen und Anführer von Polio-Ländern, ihr Engagement aufrecht zu erhalten, die Verantwortung für den Erfolg der Polio-Impfkampagnen zu übernehmen und helfen ihnen dabei, Finanzierungsquellen für diese Kampagnen zu finden.

Außerdem suchen wir nach weiteren Mitstreitern im Kampf gegen Polio. Dabei denken wir an einflussreiche Mitglieder der Gemeinschaft wie religiöse Anführer, Freiwilligenorganisationen und Arbeitgeber. Mit unseren Partnern, u. a. Rotary International, UNICEF und Global Poverty Project, nutzen wir traditionelle und soziale Medien, um die Öffentlichkeit für die Unterstützung der Ausrottung von Polio zu sensibilisieren. Ebenfalls suchen wir auf diese Weise in den Geberländern und in den Polio-Ländern bzw. in Ländern, in denen es zu einer erneuten Einführung von Polio kommen könnte, nach Unterstützung für Immunisierungsprogramme auf breiter Ebene. Wir möchten unsere Kommunikation an spezifische soziale, kulturelle und politische Gegebenheiten anpassen, um die Nachfrage nach Impfungen zu steigern und um Missverständnisse in Bezug auf die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen auszuräumen.

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