Was wir tun

Polio

Strategischer Überblick

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Kinder, die aus Pakistan nach Afghanistan kommen, erhalten eine Polio-Schluckinpfung, die durch ein Programm von Rotary International unterstützt wird.

Unser Ziel:

Polio weltweit auszurotten.

Die Herausforderung

Auf einen Blick

Im Jahr 1988, als die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) gestartet wurde, war das Poliovirus in 125 Ländern noch endemisch vorhanden und führte pro Tag bei ca. 1000 Kindern zu Lähmungen.

Seit dieser Zeit konnte die Anzahl der Poliofälle weltweit durch Impfkampagnen um mehr als 99 Prozent gesenkt werden und es wurden ca. 2,5 Milliarden Kinder geimpft.

Indien, das lange als das schwierigste Land zur Ausrottung von Polio bezeichnet wurde, wurde im Februar 2012 als poliofrei erklärt. Polio ist nur noch in drei Ländern endemisch vorhanden: Nigeria, Pakistan und Afghanistan.

Die Stiftung ist einer der Hauptunterstützer der GPEI, die von nationalen Regierungen, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Rotary International, den US-Zentren für Krankheit, Kontrolle und Vorsorge sowie der UNICEF geleitet wird.

Der Verantwortliche für unsere Polio-Strategie, die zuletzt 2012 aktualisiert wurde, ist Jay Wenger, Direktor der Initiative, die zum Bereich Global Development der Stiftung gehört.

In den letzten beiden Jahrzehnten wurden große Fortschritte bei der Ausrottung von Polio gemacht. Als sich die Weltgesundheitsversammlung 1988 die Ausrottung der Krankheit zum Ziel setzte und die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) gestartet wurde, war das Poliovirus in 125 Ländern noch endemisch vorhanden und es kam jährlich zu 350.000 Lähmungen durch Polio, hauptsächlich bei kleinen Kindern. Seither konnte durch weltweite Impfkampagnen die Anzahl der Poliofälle um mehr als 99 Prozent gesenkt werden und es konnten mehr als 10 Millionen Kinder weltweit vor Lähmungen geschützt werden. Polio ist nur noch in drei Ländern endemisch vorhanden: Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Im Jahr 2012 wurden weniger als 250 Fälle gemeldet. Im Vergleich dazu gab es 2011 noch 650 Fälle.

Allerdings sind die Erfolge, die durch effektive und sichere Impfstoffe und Impfkampagnen, eine globale Partnerschaft und ein globales Mandat zur Ausrottung von Polio erreicht wurden, ständig bedroht. Seit 2008 ist Polio in mehr als 20 Ländern aufgetreten. Die Krankheit wurde teilweise mehrfach aus endemischen Ländern eingeschleppt. Versuche, ungeimpfte Kinder zu erreichen, werden oft durch Sicherheitsrisiken sowie geografische und kulturelle Barrieren verhindert. Die hohen Kosten der Impfkampagnen, die sich jährlich auf 1 Milliarde US-Dollar belaufen, können nicht langfristig getragen werden. Wenn wir diese höchst ansteckende Krankheit im nächsten Jahrzehnt nicht ausrotten, könnte das pro Jahr 200.000 neue Fälle dieser Krankheit zur Folge haben.

Die Chance

Bei der Weltgesundheitsversammlung im Jahr 2012 erklärten 194 Mitgliedstaaten die völlige Ausrottung von Polio zu einem „programmatischen Notfall für die Weltgesundheit“. Durch gemeinsame Anstrengungen zur Ausrottung von Polio können alle Kinder weltweit für immer vor der Kinderlähmung geschützt werden. Schätzungen zufolge wird die Global Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis (GPEI) in den 20 Jahren nach der Ausrottung Nettogewinne von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar erwirken, von denen rund 85 Prozent aus Ländern mit geringem Einkommen stammen. Bei dieser Zahl wurden keine weiteren gesundheitlichen Verbesserungen durch die GPIE beachtet, wie die Versorgung mit Vitamin A, oder die höheren Nettogewinne der Ausrottung in Ländern, die Polio bereits vor Beginn der GPIE ausgerottet haben.

Indien, das im Februar 2012 als poliofrei erklärt wurde, ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie erfolgreich ein vollfinanziertes Programm mit engagierten Verantwortlichen und Mitarbeitern sein kann. Indien wurde lange als das Land bezeichnet, in dem aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, der hohen Migrationszahlen, der schlechten sanitären Einrichtungen, der hohen Geburtenrate und der geringen Anzahl von Routineimpfungen die Ausrottung von Polio am schwierigsten zu bewerkstelligen sein würde.

Die Polio-Impfteams holen sich Impfstoffe am Bahnhof im Staat Bihar in Nordindien ab.

Nach mehrjähriger Arbeit haben zahlreiche Faktoren zur Ausrottung von Polio in Indien beigetragen. Dazu gehörten u. a. eine sehr zielgerichtete, datengestützte Planung, gut geschulte und motivierte Mitarbeiter, gründliche Überwachung, wirksame Kommunikation, Zusammenarbeit mit zuverlässigen Gemeinde- und Religionsführern, der politische Wille auf allen Ebenen und ausreichende Finanzierung.  Indien stellt den Ländern Nigeria, Afghanistan und Pakistan technische Hilfe und Beratung über bewährte Vorgehensweisen bereit.

Durch globale Zusammenarbeit und Innovationen sind neue Maßnahmen und Ansätze entstanden, die bei der Logistikplanung für die Ausrottung von Polio helfen können. Verbesserungen am Polio-Impfstoff haben zu einer besseren Immunreaktion auf die verbleibenden Typen der Krankheit geführt. (Der Wildtyp 2 des Polio-Erregers wurde 1999 eliminiert.) Neue Diagnoseverfahren, Überwachungen, Kartierungen und Modelle ermöglichen eine schnellere und präzisere Verfolgung von Poliofällen und Übertragungsmustern.

Um die Übertragung in ihren Ländern schneller zu stoppen haben die Regierungen in Nigeria, Pakistan und Afghanistan nationale Notfallpläne ausgearbeitet, die von den entsprechenden Regierungsoberhäuptern kontrolliert werden und die die Zuverlässigkeit und Qualität der Polio-Impfkampagnen von der nationalen bis zur lokalen Ebene verbessern. Die WHO  bietet diesen Ländern eine wesentliche technische Hilfe und verbesserte Strategien für Impfkampagnen, mit denen sichergestellt werden kann, dass mehr Kinder erreicht werden können. Bessere Planung  und Modellansätze stellen den besseren Einsatz der Ressourcen sicher.

Durch diese Verbesserungen konnte Pakistan die Anzahl der Poliofälle von 198 im Jahr 2011 auf 56 im Jahr 2012 senken. Afghanistan konnte die Anzahl der Fälle im gleichen Zeitraum von 80 auf 35 senken. In Nigeria stieg die Anzahl der Fälle von 62 im Jahr 2011 auf 119 im Jahr 2012. Neue Initiativen zur Verbesserung der Kampagnenqualität zeigen jedoch einige positive Ergebnisse.

Die GPEI arbeitet an der Entwicklung einer Sechsjahresstrategie bis 2018, die zur Grundlage für alle Aktivitäten zur Eindämmung der Polio-Übertragung werden und zu einer poliofreien Welt führen wird. Dazu gehört die Nutzung und gründliche Analyse von Daten zur Festlegung spezifischer landesweiter Impfziele sowie der Einsatz neuer Hilfsmittel und Ansätze, die eine effektivere und effizientere Programmumsetzung ermöglichen werden. Die Kosten für die Vollfinanzierung dieses Projekts werden sich auf schätzungsweise 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr belaufen.

Eine weltweite erfolgreiche Ausrottung von Polio würde zu ähnlichen Programmen führen, um Kinder in den ärmsten und am wenigsten zugänglichen Gegenden vor Krankheiten zu schützen, die sich durch Impfung verhüten lassen. Die Ausrottung von Polio ist auch ein wichtiger Meilenstein der Initiative „Decades of Vaccines“ und gemeinsames Ziel von fast 200 Ländern, um bis 2020 allen Menschen dieser Erde die Vorteile von Impfstoffen zu bieten.

Unsere Strategie

Polio ist eine der Top-Prioritäten der Bill & Melinda Gates Foundation. Als einer der Hauptunterstützer der GPEI konnten wir unseren GPEI-Partnern technische und finanzielle Ressourcen bieten, damit diese ihre Bemühungen zur Ausrottung von Polio beschleunigen konnten Viele dieser Strategien sind  bewährt, wie zum Beispiel  zielgerichtete Impfkampagnen, Einbindung von Gemeinden und verstärkte Routineimpfungen. Wir arbeiten auch gemeinsam mit Partnern an innovativen Möglichkeiten zur besseren Überwachung von Polio und schnelleren Reaktion auf Epidemien, zur Beschleunigung der Entwicklung und des Einsatzes sicherer und wirksamerer Polioimpfstoffe. Darüber hinaus bemühen wir uns um die finanzielle und politische Unterstützung der Ausrottungsbemühungen seitens der Geberländer und der von Polio betroffenen Länder.

Die Stiftung hat hier die ganz besondere Chance, einen Beitrag zur Ausrottung von Polio zu leisten, indem sie große Risiken eingeht und alternative Investitionen vornimmt, die zu wertvollen Programmverbesserungen führen können. Beispiele hierfür sind unsere Finanzierung der Kartierung durch das Geographic Information System (GIS), die bisher per Hand gezeichnete Karten ersetzt und zur Planung von Kampagnen dient, die Verfolgung der Aktivitäten der Impfkampagnen-Teams mittels GPS und Investitionen in Polio-Impfstoff-Forschung.

Fokusbereiche

Polio-Impfkampagne

Durch die Ausweitung der Polio-Impfkampagne, einen besseren Mitarbeiterstab, technische und Programminnovationen, sowie eine Verbesserung in den Bereichen Datenerfassung und -analyse, kann die erforderliche Durchimpfungsrate erzielt werden, um die GPEI-Ziele zu erreichen. Dabei konzentrieren wir uns vor allem darauf, die Qualität der Kampagnen in Nigeria, Afghanistan und in Pakistan zu verbessern.

Kinder erhalten Schluckimpfung bei einer Veranstaltung zur Eröffnung einer Polio-Impfkampagne in Kano in Nigeria.

Ein Eckpfeiler der GPEI-Strategie zur Polioausrottung ist das Ziel, in den Ländern mit dem höchsten Risiko alle Kinder im ersten Lebensjahr durch mehrere Dosen Schluckimpfung zu immunisieren. Dazu sollen nationale und lokale Impfkampagnen eingesetzt werden. Dazu wird in Gegenden, in denen der Polio-Erreger vorkommt oder in denen ein Verdacht auf Polio-Infektionen besteht, in Gebieten, in denen ein Risiko für eine erneute Einführung von Polio besteht und Regionen mit begrenztem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, hoher Bevölkerungsdichte und Mobilität, schlechten sanitären Einrichtungen und geringen Routineimpfungen per Hausbesuch geimpft.

Wir möchten verstehen, welche lokalen, sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Gründe eine Steigerung der Durchimpfungsrate verhindern und wie diese überwunden werden können. Wir möchten die Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch die  politischen Verantwortlichen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens, einschließlich  niedergelassener Ärzte und ärztlicher Vereinigungen, fördern. Zu unseren Prioritäten zählen auch das Einstellen zusätzlicher Mitarbeiter und die Schulung von Impfteams sowie bessere technische Unterstützung.

Wir wollen den Einsatz moderner Kartierungs-  und Verfolgungs-Tools fördern, damit wir Haushalte in Dörfern finden können, in denen Kinder noch keine Schluckimpfung erhalten haben. Diese Tools helfen Impfteams dabei, Nomaden zu folgen, um sie zu impfen.

Routine-Impfsysteme

Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir die umfassenden Routineimpfprogramme verstärken. Dazu gehören Impfprogramme gegen Polio und andere vermeidbare Krankheiten, wie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Masern. Derzeit bleiben weltweit 20 Prozent der Kinder ungeimpft.

Um alle Gemeinden mit Routineimpfungen zu erreichen, müssen wir wissen, wie wir lokale Hindernisse überwinden können, und anspruchsvolle Hilfsmittel zur Verfolgung und Planung einsetzen. Ein starkes, koordiniertes Immunisierungssystem kann auch als Plattform für andere wichtige Gesundheitsprogramme dienen. Andere Teams der Stiftung arbeiten an der Zusammenstellung aller notwendigen Komponenten eines solchen Systems und suchen nach Möglichkeiten, Poliomaßnahmen und Schulungsprogramme zu erweitern und so zu zuändern, dass diese für Routineimpfungen gegen eine Vielfalt von Krankheiten verwendet werden können.

Überwachung und Monitoring

Ärzte untersuchen einen verdächtigen Fall von Polio bei einem Kleinkind im Staat Bihar in Indien.

Es ist wichtig herauszufinden, wo und wie der Wildtyp des Polio-Erregers noch zirkuliert, und die erfolgreiche Ausrottung des Virus zu bestätigen. Ein starkes und empfindliches Überwachungssystem ist wichtig, um zielgerichtete Kampagnen auszuführen, Programmänderungen rechtzeitig und effizient vorzunehmen und um Epidemien schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Überwachung von Polio ist vor allem deshalb problematisch, weil nur ein kleiner Prozentsatz der Infektionen in klinisch erkennbaren Lähmungen resultiert Eine Infektion mit dem Polio-Erreger kann durch Stuhlproben von Personen mit Verdacht auf eine Infektion bestätigt werden. Diese Proben werden im Labor auf die Anwesenheit des Poliovirus untersucht.

Wir bewerten und verbessern aktuelle Überwachungsprogramme und konzentrieren uns dabei auf die Gegenden mit dem höchsten Risiko. Ein Verbesserungsbereich ist die Überwachung der Umwelt, einschliesslich der Entnahme und des Testens von Wasserproben aus Abwassersystemen und anderen Wasserquellen. Diese Proben können Aufschluss über eine Polio-Infektion in den umgebenden Gemeinden geben. Wir haben in eine Technologie investiert, die eine empfindlichere Diagnose mit kleineren Proben sowie eine hygienischere Probenentnahme ermöglichen soll. Außerdem unterstützen wir die Entwicklung günstigerer und zuverlässigerer Diagnosetests für das Labor. Wir arbeiten an einem Diagnosetest, mit dem kleinere Labors vor Ort schnell negative Proben ausschließen und positive Proben zur Bestätigung an größere Referenzlabore schicken können.

Produktentwicklung und Marktzugang

Obwohl die aktuellen Impfstoffe und Diagnosetests bei der Beseitigung des Wildtyps des Polio-Erregers in den meisten Ländern sehr wirksam waren, eignen sie sich möglicherweise nicht für eine komplette Ausrottung der Krankheit. Wir arbeiten gemeinsam mit Partnern daran, die Wirksamkeit der existierenden Hilfsmittel zu verbessern und die Entwicklung sichererer Impfstoffe, besserer Diagnosemittel, neuer antiviraler Medikamente und anderer Produkte zu beschleunigen. Wir arbeiten auch mit Partnern, Lieferanten und Regierungen daran, eine ausreichende Versorgung mit Impfstoffen sicherzustellen und die Konkurrenz auf dem Markt zu fördern.

In den meisten Entwicklungsländern wird per Schluckimpfung gegen Polio geimpft, weil diese Art der Impfung sicher, wirksam, einfach zu verabreichen und billiger ist.. Dieser per Schluckimpfung verabreichte Impfstoff besteht allerdings aus lebenden, abgeschwächten Erregern, die in sehr seltenen Fällen (eine von 2,7 Millionen Erst-Impfdosen) eine Lähmung auslösen kann. In Gebieten mit geringer Schluckimpfungsrate können die Viren des Schluckimpfstoffs auch mutieren und in der Bevölkerung zirkulieren. Genau wie der Wildtyp des Polio-Erregers.

Wir unterstützen die Entwicklung neuer Impfstoff-Formulierungen für die Schluckimpfung, die kein Mutationsrisiko aufweisen, sowie Alternativen zur Polio-Schluckimpfung. Eine der vielversprechendsten Alternativen ist der inaktivierte Polio-Impfstoff, der regelmäßig in den meisten Industrieländern verwendet wird, der aber aufgrund der hohen Kosten nicht weit verbreitet ist und von geschultem medizinischem Personal injiziert werden muss. Wir setzen uns dafür ein, dass die Kosten des inaktivierten Impfstoffs verringert werden und die erforderlichen Schulungen, Lieferungen, Versorgungsmöglichkeiten und die Kommunikationsinfrastruktur geschaffen werden, damit er vermehrt eingesetzt werden kann. Wir unterstützen auch die Entwicklung antiviraler Medikamente, mit denen künftig nach der Ausrottung des Polio-Erregers auf zufällige oder absichtliche Neuinfektionen reagiert werden kann.

Wir investieren auch in die Entwicklung besserer Hilfsmittel, um die Immunität gegen Polio zu messen. Die Immunität gegen Polio kann derzeit nur mit einer Blutprobe bestimmt werden. Bluttests unter größeren Bevölkerungsgruppen werden jedoch dadurch behindert, dass bei der Entnahme von Blutproben eine Zustimmung der Regierung erforderlich ist. Wir möchten ein einfaches, kostengünstiges Gerät entwickeln, mit dem eine Speichelprobe oder eine andere leicht zu entnehmende Probe zum Testen der Immunität von Kindern gegenüber Polio, Tetanus und Masern verwendet werden kann.

Datengestützte Entscheidungen

Die Erfassung und Weitergabe von Daten ist wichtig für die Ausrottung von Polio. Wir möchten den Zugang zu und die Nutzung von Daten verbessen, um bessere Entscheidungen in Bezug auf Programme treffen, Fortschritte verfolgen, die Überwachung der Umwelt verbessern sowie die Entwicklung von Impfstoffen und Diagnosetests vorantreiben zu können. Wir arbeiten mit einer Gruppe von Modellierern unter Leitung der University of Pittsburgh über die Vaccine Modeling Initiative zusammen, um einen allgemein gültigen Entscheidungsrahmen für die Kampagnen zur Ausrottung von Polio zu entwickeln, mit dem wichtige Entscheidungsbereiche ermittelt, die erforderlichen Daten für fundierte Entscheidungen bereit gestellt und die erforderlichen Mitarbeiter und Partner zur Analyse der Daten und zum Erstellen der Modelle gefunden werden sollen.

Gemeinsam mit den GPEI-Partnern möchten wir erreichen, dass zur Berechnung des Fortschritts und des Risikos nicht mehr länger die aufgetretenen Poliofälle verwendet werden, sondern die Immunität der Bevölkerung. Wir unterstützen Kid Risk, eine gemeinnützige Organisation mit umfassender Erfahrung in der Polio-Risikomodellierung, die ein System entwickelt hat, mit dem die Immunität der Bevölkerung kontinuierlich eingeschätzt werden kann. Das System ist noch in der Testphase und nutzt Daten aus Nigeria und Indien und soll im Jahr 2013 in allen Ländern mit hoher Priorität eingesetzt werden. Wire arbeiten außerdem mit der Organisation Global Good aus Seattle daran, ein Immunitätsmodell zu erstellen und auf Grundlage der erfassten Daten Vorhersagen für das Ende der Polio-Infektionen in Nigeria und Pakistan zu treffen.

Um den Zugang zu Daten und deren Weitergabe zu verbessern, entwickeln wir bei der Weltgesundheitsorganisation eine Datenzugangsplattform mit wichtigen Daten zu Polio, die standardisiert und qualitätsgeprüft sind und für die Auswertung und Entscheidungsfindung zur Verfügung stehen.

Eindämmungspolitik

Die Eindämmung und endgültige Ausrottung der Polio-Erreger vom Wildtyp in Laboren ist ein wichtiger Schritt, um zu vermeiden, dass das Virus freigesetzt wird und die Krankheit wieder ausbricht. Die aktuellsten von der WHO herausgegebenen Richtlinien zur Eindämmung werden als GAP III bezeichnet und liegen seit 2009 als Entwurf vor. Diese Richtlinien und Sicherheitsvorkehrungen müssen aktualisiert werden, um die neuesten Entwicklungen widerzuspiegeln und müssen lange vor der Ausrottung von Polio in ihrer endgültigen Form vorliegen.

Wir unterstützen unsere GPEI-Partner dabei, umgehend eine internationale Vereinbarung zu treffen, die regelt, wie übrig gebliebene Polio-Erreger, die für die Impfstoffproduktion, für die Forschung und für die diagnostische Reagenzproduktion verwendet werden, sicher gehandhabt werden. Wir benötigen auch Vorgehensweisen zur Lagerung und Zerstörung von Viren sowie Kriterien und Methoden für möglicherweise wieder eingeführte oder neu auftretende Polio-Erreger.

Weitere wichtige Aspekte sind die Realisierung relevanter Programme und deren entsprechende Umsetzung sowie die Regelung der Führungsinfrastruktur auf globaler, regionaler und nationaler Ebene.

Bisherige Planung

In den 20 Jahren des Bestehens der Initiative wurden im Rahmen der GPEI Millionen Mitarbeiter und Freiwillige geschult und mobilisiert, es wurden Haushalte und Gemeinden erfasst und erreicht, die von anderen Initiativen nie erfasst worden waren, und es wurde ein zuverlässiges globales System zur Überwachung und Reaktion eingeführt.

Durch die Polio-Ausrottungsbemühungen haben die GPEI-Partner gelernt, wie man logistische, geografische, soziale, politische, kulturelle, ethnische, geschlechterspezifische, finanzielle und andere Hindernisse überwindet und wie man mit den Menschen in den ärmsten und am schwierigsten zugänglichen Gegenden zusammenarbeitet. Der Kampf gegen Polio hat zu neuen Möglichkeiten geführt, die Gesundheit der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern – sei es durch politisches Engagement, Spenden, Planungs- und Managementstrategien oder Forschung. In der Folge hat die GPEI eine Reihe nützlicher Ressourcen entwickelt. Dazu zählen die genaue Kenntnis der hochriskanten Gruppen und der Migrationsmuster, wirksame Planungs- und Überwachungsmethoden, gut geschulte Mitarbeiter, lokale und regionale technische Berater sowie politisches und organisatorisches Engagement. Das letztere muss auf erfolgreichen Partnerschaften zwischen globalen, nationalen, religiösen und lokalen Führungspersönlichkeiten beruhen. Diese Ressourcen wurden bereits für andere gesundheitliche Bedrohungen und bei Notfällen eingesetzt, wie bei Fällen von Meningitis in West- und Zentralafrika, der H1N1-Grippe in Afrika südlich der Sahara und auf dem asiatischen Subkontinent sowie bei Hochwasser- und Tsunami-Katastrophen in Südasien.

Gemeinsam mit der GPEI möchten wir erforschen, wie die Polio-Infrastruktur, z. B. die Versorgungsketten, Überwachungs- und Laborsysteme sowie die sozialen Mobilisierungsnetzwerke, langfristig für andere Gesundheitsinitiativen und Immunisierungsprogramme genutzt werden kann, vor allem nachdem Polio erfolgreich ausgerottet wurde.

Interessengruppen und Kommunikation

Eine Frau macht in Sokoto in Nigeria mit Impfstoffen Hausbesuche.

Gemeinsam mit unseren GPEI-Partnern arbeiten wir an der Geldmittelbeschaffung und einer nachhaltigen globalen und nationalen politischen Unterstützung im Kampf für die Ausrottung von Polio. Dazu gehört auch, dass wir Regierungen davon überzeugen für Maßnahmen gegen Polio zu spenden und neue Spender aus anderen Bereichen suchen. Wir ermutigen zudem Regierungen und Landesführer von Polio-Ländern, ihr Engagement aufrecht zu erhalten, die Verantwortung für den Erfolg der Polio-Impfkampagnen zu übernehmen.  Wir helfen ihnen auch dabei, Finanzierungsquellen für diese Kampagnen zu finden.

Wir suchen auch weitere Mitstreiter im Kampf gegen Polio. Dabei denken wir an einflussreiche Mitglieder der Gemeinschaft wie Religionsführer, Freiwilligenorganisationen und Arbeitgeber. Mit unseren Partnern, wie Rotary International, der UNICEF und dem Global Poverty Project, nutzen wir traditionelle und soziale Medien, um in der Öffentlichkeit Bewusstsein zu wecken für die Unterstützung bei der Ausrottung von Polio, die Unterstützung von Immunisierungsprogrammen in Geberländern sowie in den Ländern, in denen Polio noch existiert, bzw. in Ländern, in denen es zu einem erneuten Auftreten von Polio kommen könnte. Wir möchten unsere Kommunikation spezifischen sozialen, kulturellen und politischen Gegebenheiten anpassen, um die Nachfrage nach Impfungen zu steigern und um Missverständnisse in Bezug auf die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen auszuräumen.

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