Forschung und Interessengruppen
Wir kämpfen in vielfacher Hinsicht dafür, dass die Familienplanung auf der internationalen Tagesordnung bleibt. Wir möchten die Spendenbereitschaft von Regierungen, Gebern und dem Privatsektor erhöhen und setzen uns für bessere politische Maßnahmen auf allen Ebenen ein. So möchten wir den Zugang zu Verhütungsmitteln und deren Verfügbarkeit verbessern. Außerdem plädieren wir für eine bessere Koordinierung zwischen Gebern und Regierungen und möchten eine nachhaltige Initiative für eine bessere und breiter verfügbare Verhütung schaffen.
Zusätzlich führen wir in Ländern mit hoher Priorität wirtschaftliche Analysen durch. Mit diesen kann herausgefunden werden, inwiefern sich eine Investition in die Familienplanung lohnt. Wir fördern die Transparenz und nehmen Regierungen in die Verantwortung, indem wir nationale und lokale Budgets aufstocken und die Informationspolitik verbessern.
Einsatz von Verhütungsmitteln in der Stadt
Die höchste Bevölkerungszunahme wird in größeren Orten und Städten von Entwicklungsländern erwartet. Für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara und in Südasien – den Gebieten mit der höchsten Wachstumsrate weltweit – wird zwischen 2000 und 2030 eine Verdoppelung der in Städten lebenden Bevölkerung prognostiziert.
Aktuell konzentrieren sich die höchsten Geburtenzahlen auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen. Eine große Anzahl von Schwangerschaften sind hierbei ungewollt. Wir möchten die Nachfrage nach Verhütungsmitteln stimulieren und in diesen Gemeinschaften sinnvolle, kostengünstige und freiwillige Informationen, Dienstleistungen und Produkte für die Familienplanung anbieten. Das geschieht hauptsächlich im Rahmen der Urban Reproductive Health Initiative in Uttar Pradesh in Indien sowie in Nigeria, Kenia und im Senegal. Wir konzentrieren uns darauf, die Abstände zwischen den Geburten zu erhöhen und die Familien entsprechend zu beraten. Außerdem bieten wir Müttern nach der Geburt, Patientinnen nach der Abtreibung, HIV-positiven Frauen und jungen Mädchen der Risikogruppen Produkte und Dienstleistungen an.
Wir arbeiten gemeinsam mit dem privaten Sektor und zivilgesellschaftlichen Organisationen daran, effiziente Ansätze zu ermitteln. Außerdem helfen wir beim Aufbau von Versorgungsteams auf Länderebene und an deren Organisation in Netzwerke, die Vorgehensweisen und Strategien untereinander austauschen. Wir unterstützen zudem den Einsatz von Messverfahren, mit denen eine datengesteuerte Versorgung, eine strikte Bewertung, eine Konzentration auf die ärmsten und bedürftigsten Menschen sowie eine breite Weitergabe von Erkenntnissen sichergestellt werden kann.
Neue Verhütungsmittel
Frauen verzichten aus vielerlei Gründen auf Verhütungsmittel – selbst dann, wenn sie eigentlich eine Schwangerschaft vermeiden möchten. Einige Frauen haben falsche Vorstellungen in Bezug auf das Risiko schwanger zu werden, andere haben Bedenken in Bezug auf die Nebenwirkungen moderner Verhütungsmethoden. In manchen Fällen ist die ablehnende Haltung von Familienangehörigen und eine begrenzte Auswahl an Verhütungsmethoden ausschlaggebend.
Wir unterstützen die Suche, die Entwicklung und die Verbreitung neuer Verhütungsmittel, die solche Beweggründe aus dem Weg räumen. Dabei konzentrieren wir uns auf Hormonimplantate und injizierbare Verhütungsmittel. Hormonimplantate und Dreimonatsspritzen sind die beliebtesten reversiblen Verhütungsmethoden in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Die neuen Produkte sind sehr viel versprechend und lassen vermuten, dass Verfügbarkeit und Verwendung von Verhütungsmitteln damit gesteigert werden könnten. Wir arbeiten derzeit an Qualitätssicherung, Zulassung und Einführung zweier Produkte in einigen Ländern der afrikanische Staaten südlich der Sahara und in Südasien.
Das erste Produkt hat den Namen Sino-implant (II) und wird von Shanghai Dahua Pharmaceuticals in China produziert. Sino-implant (II) ist ein Langzeitimplantat, das effizient und kostengünstig ist und wurde für den Einsatz in mehr als 20 Entwicklungsländern genehmigt. Aktuell wartet man auf die Präqualifikationszulassung der Weltgesundheitsorganisation.
Das zweite Produkt heißt Sayana Press. Hierbei handelt es sich um eine neue subkutane Version der beliebten Dreimonats-Verhütungsspritze von Pfizer mit dem Namen Depo-Provera. Depo-Provera wird durch eine intramuskuläre Injektion verabreicht. Diese kann in den meisten Ländern von einem Mitarbeiter des Gesundheitswesens verabreicht werden. Sayana Press könnte möglicherweise auch von nicht medizinischem Personal wie geschulten Mitarbeitern des Gesundheitszentrums einer Gemeinde oder sogar von den Frauen selbst gespritzt werden. Aktuell wird die Akzeptanz des Produkts geprüft. Außerdem müssen Schulungen, Systeme, Programme konzipiert und die erforderliche Infrastruktur für eine nachhaltige Versorgung geschaffen werden.
Weitere Verhütungsmethoden sind erforderlich, damit die weltweit unterschiedlichen Bedürfnisse zufrieden gestellt werden können. Beispielsweise investieren wir in die Entwicklung verschiedener Verhütungsmethoden: eine Verhütungspille bei Bedarf, Vaginalringe, eine Sechsmonatsspritze, langfristige Hormonimplantate, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden und eine Sterilisation von Frauen ohne operativen Eingriff. Außerdem unterstützen wir die Entwicklung von Mehrzwecklösungen, die beispielsweise sowohl eine Schwangerschaft als auch HIV verhindern.
Schließen von Wissenslücken
Wenn wir die Familienplanung verbessern möchten, müssen wir wichtige Wissenslücken schließen und entsprechende Maßnahmen und Programme anbieten. Wir unterstützen die Forschung dabei herauszufinden, wie sich die Familienplanung in andere Gesundheitsdienstleistungen integrieren lässt. Beispiele hierfür wären die die HIV-Vorsorge und -Behandlung, der Gesundheitsschutz von Mutter und Kind (einschließlich der Versorgung nach der Geburt) und die Versorgung nach einer Abtreibung. Außerdem möchten wir mehr Daten sammeln zu den möglichen Zusammenhängen von HIV-Infektionen und der Nutzung hormoneller Verhütungsmittel.