Es gibt viele Möglichkeiten, die positiven Auswirkungen landwirtschaftlicher Programme auf die Ernährung zu verstärken: Angefangen bei der Ernte, über die Lagerung, das Marketing, die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb im Einzelhandel bietet sich dazu die gesamte Wertschöpfungskette landwirtschaftlicher Produktion an. Die Nachfrage nach nahrhafteren Nahrungsmitteln kann durch Programme gesteigert werden, deren Ziel die Veränderung traditioneller Verhaltensweisen ist. Die Stiftungsprogramme Landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährung legen spezifische Schwerpunkte in dieser Wertschöpfungskette und ergänzen sich mit Investitionen in den folgenden Bereichen:
Biofortifikation
Das Engagement der Stiftung für eine Erhöhung des Nahrungsgehalts von Grundnahrungsmitteln durch bessere Sorten reicht weit zurück und begann bereits vor Entstehung des Programms für landwirtschaftliche Entwicklung. Diese sogenannte Biofortifikation ist eine nachhaltige, erschwingliche Lösung für ländliche Gemeinden, die sich hauptsächlich von nichtverarbeiteten Erzeugnissen ernähren. Sie werden dadurch besser mit Mikronährstoffen versorgt. Die wichtigsten Investitionen in diesem Bereich gelten Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Maniok, Reis, Bananen, Perlhirse und Weizen mit einer verbesserten Nährstoffzusammensetzung (siehe untenstehende Tabelle). Unsere Partner haben erfolgreich nachgewiesen, dass solche nährstoffreicheren Sorten gezüchtet werden können und treffen jetzt Maßnahmen zur Bereitstellung vieler dieser Erzeugnisse. Bislang haben die Teams der Programme Landwirtschaftliche Entwicklung, Ernährung und Globale Gesundheit – Forschung und Praxis rund 100 Millionen US-Dollar für die Entwicklung und Verbreitung von Grundnahrungsmitteln mit einer verbesserten Nährstoffzusammensetzung zur Verfügung gestellt.
| Produkte |
Zusätzliche Nährstoffe |
| Süßkartoffe |
Vitamin A |
| Mais |
Vitamin A |
| Bohnen |
Eisen |
| Maniok |
Vitamin A, Eisen und Proteine |
| Reis |
Vitamin A, Zink |
| Bananen |
Vitamin A, Eisen |
| Perlhirse |
Zink |
| Weizen |
Zink |
Ernährungsberatung
Programme, die Bauern direkt einbinden, haben den großen Vorteil, dass sie neben landwirtschaftlichen Informationen auch Praktiken und Verhaltensweisen vermitteln können, die einen positiven Einfluss auf die Ernährung haben. Mehrere Förderpartner, darunter Heifer International mit ihrem East Africa Dairy Development Project und dem Programm Farm Concern International’s Domestic Horticulture Markets verfolgen zurzeit diesen Ansatz. Wir wollen die Ernährungsberatung forcieren und stärker in unsere landwirtschaftlichen Programme einbinden. Bewährte Vorgehensweisen aus Programmen zur Änderung von Verhaltensweisen werden ebenfalls berücksichtigt. Auch der Gemüseanbau und die Viehzucht müssen größere Aufmerksamkeit erfahren: Sie bieten den Haushalten eine einzigartige Möglichkeit für eine ausgewogenere Kost und Ernährung. Frauen in der Landwirtschaft sind unsere bevorzugte Zielgruppe. Wir wollen sicherstellen, dass eine Erhöhung ihrer Produktivität zu einer Verbesserung der Gesundheit und Ernährung ihrer Familien führt.
Mykotoxine
Schädliche Aflatoxine und andere Mykotoxine befallen einen beträchtlichen Teil der Grundnahrungsmittel weltweit und können Krebs und Lebererkrankungen bei Mensch und Tier auslösen sowie zu Ausfällen des Immunsystems führen. 2011 engagiert sich das Team für landwirtschaftliche Entwicklung erstmals zugunsten der Partnership for Aflatoxin Control in Africa (PACA) . Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, erschwingliche und wirksame Lösungen für die Kontrolle von Aflatoxinen in Afrika zu entwickeln. 2012 richteten die Teams der Stiftungsinitiativen Landwirtschaftliche Entwicklung, Darm- und Durchfallerkrankungen und Ernährung gemeinsam ein Treffen mit international führenden Experten im Bereich der Mykotoxinforschung aus. Dabei ging es um die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Schimmelpilzgifte und Maßnahmen zu ihrer Kontrolle. In Zusammenarbeit mit anderen Entscheidungsträgern untersuchen die drei Teams die daraus resultierende Krankheitslast und ihre Folgen für das Wachstum und die Entwicklung von Kindern. Außerdem sollen kosteneffiziente Programme zur Kontrolle des Problems entwickelt werden.
Programme und Interessengruppen
Bislang haben der geringe Austausch zwischen dem Landwirtschafts- und dem Ernährungssektor sowie mangelnde Abstimmung auf Landesebene den Wirkungsgrad von Programmen in beiden Bereichen begrenzt. Die Entwicklung und Implementierung von Agrarstrategien und -programmen, die auch Ernährungsfragen berücksichtigen, kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf geeignete Rahmenbedingungen und wirksame nationale Institutionen zurückgreifen kann. Darüber hinaus werden landesspezifische Datensätze mit landwirtschaftlichen, einkommens- und ernährungsbezogenen Variablen für die gleichen Haushalte benötigt, um die Wechselwirkungen zwischen ihnen besser zu verstehen und zu verstärken. Die Stiftung unterstützt globale und nationale Plattformen für bereichsübergreifende Zusammenarbeit und die Entwicklung und Berücksichtigung landwirtschaftlicher Elemente in den Ernährungsrichtlinien mehrerer Länder. Wir setzen uns beispielsweise für die 2020 Vision des International Food Policy Research Institute (IFPRI) ein und nehmen am Projekt REACH der Vereinten Nationen teil. Die Konferenz des IFPRI , die 2011 zu diesem Thema stattfand, ist ein Beispiel für eine globale Konferenz. UN REACH hingegen ist ein Beispiel für eine fortlaufende bereichsübergreifende Kollaborationsplattform, die Instrumente und Informationen auf Länderebene bietet. Wir stützen darüber hinaus die Bewegung Scaling Up Nutrition, die beim Kampf gegen Unterernährung von einem bereichsübergreifenden kollaborativen Ansatz ausgeht.
Forschungsziele
Die Stiftung erkennt die Bedeutung umfassender Forschung, des Erwerbs von Fähigkeiten und eines Bewertungsprozesses als Grundlage für Programme und Entscheidungsfindung an. Wir wollen die kontinuierliche Verbesserung von Programmen fördern. Landwirtschaftliche Projekte mit Zielvorgaben im Bereich Ernährung müssen über ein solides Evaluationsdesign verfügen, das Rückschlüsse darüber zulässt, wie sich Investitionen in der Landwirtschaft mit maximalem Nutzen für die Ernährung einsetzen lassen.
Doch selbst landwirtschaftliches Wachstum und größere Ernährungssicherheit sind möglicherweise nicht ausreichend, um Ernährung umfassend zu verbessern. In Indien beispielsweise hat ein bedeutendes landwirtschaftliches Wachstum zu keiner entsprechenden Nahrungsverbesserung geführt. Die Stiftung unterstützt daher umfangreiche Forschungsarbeiten im Rahmen der TANDI-Initiative (Tackling the Agriculture-Nutrition Disconnect in India) . Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung geplanter Forschungsprojekte und Arbeitsschwerpunkte sowie der Aktivitäten des Landwirtschafts- und Ernährungssektors insgesamt.
Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft und Ernährung auf Ebene der Gesamtbevölkerung und des einzelnen Haushalts
- Wie können wir die Gesamtwirkung landwirtschaftlicher Projekte auf Verbraucher und in diesem Zusammenhang auf die Preisentwicklung, auf Nahrungsmittelausgaben -verbrauch messen?
- Welche quantifizierbaren Verbindungs- und Reibungspunkte gibt es in der Kettenbeziehung von Landwirtschaft, Einkommen und Ernährung im Hinblick auf Haushaltseinkommen, landwirtschaftliche Produktion, landwirtschaftlichen Verkauf, Nahrungsmittelausgaben und -verbrauch, Fütterungsmethoden, Nahrungsverteilung innerhalb des Haushalts, Stillpraktiken, Erkrankungsraten und Ernährungszustand von Frauen und Kindern? Welche Verbindungspunkte in dieser Kettenbeziehung spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung von Ernährung und können beeinflusst werden?
- Unter welchen Bedingungen führen landwirtschaftliche Einkommenssteigerungen zu einer Verbesserung der Ernährung?
- Welche Auswirkungen haben landwirtschaftliche Arbeiten auf die Gesundheit und den Ernährungszustand von Frauen und kleinen Kindern?
Verbesserte Ernährung entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette
- Wie müssen landwirtschaftliche Programme konzipiert werden, damit sie zu einer Verbesserung des Ernährungszustands von Bauernfamilien führen?
- Welche Aktivität der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette bietet das meiste Potential im Hinblick auf eine Verbesserung der Ernährung von Frauen und Kindern?
- Können landwirtschaftliches Wachstum und Ernährung stärker miteinander verknüpft werden, indem man Frauen in der Landwirtschaft und ihre Produktivität in den Mittelpunkt stellt?
- Wie können bäuerliche Haushalte am besten zum Thema Ernährung informiert und unterwiesen werden?
Messung der Auswirkungen landwirtschaftlicher Projekte auf die Ernährung
- Welche Indikatoren eignen sich zur Messung der Auswirkungen landwirtschaftlicher Projekte auf die Ernährung?
- Welchen Schwankungen dürfen Wirkungsindikatoren und „Standards für glaubwürdige Beweise“ entlang der Wertschöpfungskette in Bezug auf verschiedene Maßnahmen aufweisen (z. B. Biofortifikation, verbesserte Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Lagermethoden, Änderung traditioneller Verhaltensweisen, neue Programme)?
- Führt eine größere Vielfalt bei der Nahrungsmittelproduktion eines Haushalts dazu, dass der gesamte Haushalt und einzelne seiner Mitglieder wie Frauen und Kinder eine abwechslungsreichere Kost zu sich nehmen?