WAS WÄRE, WENN?

Ein Brief der Vorstandsvorsitzenden der Bill & Melinda Gates Stiftung
Sue Desmond-Hellmann Vorstandvorsitzende, Bill & Melinda Gates Stiftung

Alle, die bei der Bill & Melinda Gates Stiftung arbeiten, eint eine Frage: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn arme Gesellschaften keine verheerenden Infektionskrankheiten mehr fürchten müssten? Wenn Frauen und Mädchen überall auf der Welt in der Lage wären, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen? Wenn Kinder – vor allem die ärmsten unter ihnen – die gleiche Chance hätten, ihr Potenzial voll zu entfalten?

Seit mehr als 15 Jahren fragt sich die Bill & Melinda Gates Stiftung, was eigentlich möglich wäre. Unsere Arbeit ist von der Überzeugung geleitet, dass jedes Leben den gleichen Wert hat. Darum bekämpfen wir Armut und engagieren uns dafür, Menschen neue Chancen zu eröffnen.

Ein Besuch bei Dhanmatia Devi und ihren Kindern im Distrikt Patna in Bihar, Indien.
Ein Besuch der Schule „White Center Heights Elementary School“ in Seattle, WA.
Links Foto: Ein Besuch bei Dhanmatia Devi und ihren Kindern im Distrikt Patna in Bihar, Indien.
Rechts Foto: Ein Besuch der Schule „White Center Heights Elementary School“ in Seattle, WA.

Nunmehr bin ich seit rund zwei Jahren Vorstandsvorsitzende der Bill & Melinda Gates Stiftung – lange genug, um einen Blick zurück zu werfen. Trotzdem betrachte ich mich selbst in gewisser Weise immer noch als Neuling.

Wer wir sind, was wir tun und wie wir es tun, ist von außen betrachtet nicht immer leicht nachvollziehbar. Ich kann in diesem Schreiben natürlich nicht jedes Thema abdecken, ich möchte aber mit Blick auf die weniger bekannten Aspekte unserer Identität und Tätigkeit etwas mehr Klarheit schaffen, indem ich diese anhand von Beispielen unserer Arbeit erläutere. Einige könnten für Sie neu sein.

Einige unserer Initiativen zeigen eine größere Wirkung als wir gehofft hatten. Andere zeigen Möglichkeiten auf, die Sie vielleicht überraschen. Im Bemühen um den besten Ansatz für komplexe Herausforderungen müssen wir hin und wieder auch unseren Kurs anpassen.

Mit diesem Schreiben möchte ich den Anstoß für einen neuen Dialog mit unseren Partnern, Befürwortern und gleichgesinnten Optimisten geben – einen Dialog über die gleichermaßen inspirierende und bewegende Herausforderung, neue Möglichkeiten für eine bessere Zukunft für Menschen in aller Welt zu eröffnen.

Unsere Anliegen: Wir wollen sicherstellen, dass mehr Kinder und Jugendliche überleben und Erfolg haben. Wir glauben, dass der Weg aus der Armut heraus dann beginnt, wenn die nächste Generation Zugang zu Gesundheitsversorgung und guten Bildungschancen hat.
Unsere Anliegen: Wir wollen den Ärmsten, vor allem Frauen und Mädchen, eine Chance geben, ihr Leben zu verändern. Wir glauben, dass wir Menschen aus der Armut verhelfen können, wenn wir ihnen die Mittel geben, ein gesundes und produktives Leben zu führen.
Unsere Anliegen: Wir wollen Infektionskrankheiten bekämpfen, von denen vor allem die Ärmsten betroffen sind. Wir glauben, dass wir Leben retten können, wenn die Ärmsten die Vorteile der modernsten Errungenschaften in Wissenschaft und Technologie genießen können.
Unsere Anliegen: Wir wollen Menschen zum Handeln inspirieren, um die Welt zu verändern. Wir wissen, dass unsere Ressourcen nicht ausreichen, daher arbeiten wir daran, die Politik, die Einstellung und das Verhalten in der Öffentlichkeit zu ändern, um Leben zu verbessern.

Bill und Melinda leiten uns bei der Verwirklichung unserer Vision und verankern unsere wichtigsten Anliegen im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Ich konzentriere meine Expertise und Leidenschaft auf die Leitung der Stiftung und die Stärkung unserer Fähigkeit, wirkungsvoll zu arbeiten und so unsere Vision in die Tat umzusetzen.

Als Stiftung richten wir unsere Arbeit und unsere Strategien auf gemeinsame globale Ziele aus. Gleichzeitig legen wir unsere eigene Latte immer höher, um mit globalen Veränderungen Schritt zu halten und uns neuen Herausforderungen zu stellen. Drängende Herausforderungen wie die Zika-Pandemie zum Beispiel verlangen von uns, dass wir zügig und effektiv mit Partnern zusammenarbeiten. Wir wollen noch schneller noch mehr erreichen als je zuvor.

Das bedeutet, dass wir Risiken eingehen, die andere nicht eingehen können oder wollen. Es bedeutet auch, auf unserem bestehenden Wissen aufzubauen, um Probleme mit neuen Ansätzen anzugehen. Beispielsweise untersuchen wir derzeit, was möglich ist, wenn man die Grundsätze der Präzisionsmedizin auf die öffentliche Gesundheitsversorgung anwendet.

Vor allem aber gilt: Der Erfolg unserer Arbeit steht und fällt mit unseren Partnerschaften und unserer Bereitschaft und Fähigkeit, unsere Stärken zu bündeln. Es wird immer deutlicher, dass die größte Stärke der Bill & Melinda Gates Stiftung darin besteht, Menschen zusammenzubringen.

Unser Managementteam verbringt viel Zeit damit, Beziehungen zu den Regierungen von Entwicklungs- und Spenderländern, internationalen Entwicklungsagenturen, privaten Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten sowie weiteren Hilfsorganisationen und Philanthropen aufzubauen. Wir wollen der bestmögliche Partner sein. Dafür müssen wir unsere wechselseitigen Prioritäten verstehen – und uns im Klaren über unsere eigenen Prioritäten sein.

Eine erfolgreiche Umsetzung des Programms, eine erfolgreiche Anwendung und Optimierung von Instrumenten sowie eine bestmögliche Anpassung unseres Verhaltens setzen ein Verständnis der Zusammenhänge vor Ort voraus. Für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Ansätze, die den realen Umständen vor Ort gerecht werden, sind lokale Partner in den Ländern unverzichtbar.

Wir wollen allen Ansichten (und allen möglichen Lösungen) Gehör verschaffen. Niemand von uns will einen möglichen Wirkungsansatz von vornherein ausschließen.

Unser Kampf gegen den Tabak

Ich bewundere unsere Partner zutiefst. Sie zeigen uns, was möglich ist, und manchmal, dass Dinge noch besser funktionieren können als wir dachten.

Für mich, die weite Strecken ihres Berufswegs als Ärztin und in der Krebsforschung gearbeitet hat, ist der Kampf gegen den Tabakkonsum ein sehr persönliches Anliegen.

Weltweit konsumieren mehr als 1 Milliarde Menschen Tabakprodukte. Dies sind die einzigen Konsumgüter, die bei weisungsgemäßer Anwendung die Hälfte ihrer Nutzer das Leben kosten. Jedes Jahr sterben fast 6 Millionen Menschen an Krankheiten, die mit dem Tabakgenuss in Verbindung stehen, darunter mehr als 600.000 Nichtraucher, die durch das Passivrauchen krank werden. Sollte der Trend anhalten, könnte die Tabak-Epidemie bis 2030 jedes Jahr mehr als 8 Millionen Menschen töten — 80 Prozent davon in Entwicklungsländern.

Die Bill & Melinda Gates Stiftung hat seit 2008 mehr als 225 Millionen Dollar für die Arbeit von Partnern bereitgestellt, die sich dem Kampf gegen die Tabak-Epidemie in mehr als 30 Ländern in Afrika und Asien verschrieben haben. Unser Engagement in diesem Bereich begann mit einer Investition in die „Bloomberg-Initiative“, die bis heute zu unseren wichtigsten Partnern zählt.

Saubere Luft

Wir haben ein kleines Team in der Stiftung, das sich mit der Eindämmung des Tabakkonsums beschäftigt. Als CEO freue ich mich sehr, dass wir ein so agiles Team haben, das Zuschüsse für Projekte in diesem Bereich bereitstellt und verwaltet. Noch mehr freue ich mich aber darüber, dass wir dadurch das Wissen und die Expertise unserer Partner und der Länder, die wir unterstützen, optimal nutzen.

Unsere Rolle besteht darin, zuzuhören, was Länder brauchen, und dem richtigen Mix von Partnern Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die erwiesenermaßen wirkungsvollsten Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums zu unterstützen.

Ein bemerkenswertes Beispiel für staatliche Initiativen zur Eindämmung des Tabakkonsums findet sich auf den Philippinen. 2013 beschloss die philippinische Regierung gegen den heftigen Widerstand der Tabakindustrie das wegweisende „Sin Tax Law“, das die Tabaksteuer bis zu 820 Prozent erhöhte.

Innerhalb eines Jahres hatte die Regierung 980 Millionen Dollar an neuen Tabaksteuern eingenommen – weitaus mehr als erwartet. Die ebenfalls steigenden Zigarettenpreise führten zu einem Rückgang des Zigarettenkonsums auf den Philippinen, wobei der größte Rückgang unter jungen Erwachsenen (18- bis 24-Jährigen) und den ärmsten Bevölkerungsgruppen verzeichnet wurde. Damit stand das durch den Verzicht auf die teurer gewordenen Tabakprodukte gesparte Geld für Grundversorgungsgüter zur Verfügung.

Aber es kommt noch besser.

Durch die Einnahmen aus der „Sündensteuer“ hat sich der Etat des philippinischen Gesundheitsministeriums nahezu verdoppelt. Aus den zusätzlichen Mitteln wurde die staatlich finanzierte Krankenversicherung auf mehr als 43 Millionen arme Filipinos ausgeweitet. Dadurch hat sich die Zahl der armen Familien, die durch den Staat krankenversichert sind, fast verdreifacht.

Genau diese Art von Gesundheitsinitiativen ist es, die mich so begeistert. Mit diesem Ansatz hat die philippinische Regierung die Tabak-Epidemie eingedämmt und zugleich zusätzliche Einnahmen generiert, mit denen sie das staatliche Gesundheitssystem verbessern kann.

Die überraschende Geschichte eines fiesen Parasiten

Eines unserer wichtigsten Anliegen ist die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, vor allem solchen, die hauptsächlich die ärmsten Menschen betreffen. Unsere Arbeit im Gesundheitsbereich konzentriert sich zu einem großen Teil auf Krankheiten wie Polio, Malaria, HIV/AIDS, Durchfallerkrankungen, Lungenentzündung und Tuberkulose — Krankheiten, die in Armut lebenden Menschen einen hohen Tribut abfordern.

Eine weitere wichtige Priorität unserer Stiftung sind vernachlässigte Infektionskrankheiten, sogenannte „Neglected Tropical Diseases“ (NTDs), die in der Vergangenheit nur geringe finanzielle Unterstützung und Aufmerksamkeit erhalten haben. Dabei leiden mehr als 1 Milliarde Menschen in Entwicklungsländern an einer oder mehreren NTDs. Damit ist der gemeinsame Kampf gegen diese Krankheiten die größte medizinische Initiative der Geschichte – zugleich aber die am wenigsten bekannte.

Vernachlässigte Infektionskrankheiten sind Krankheiten, die die ärmsten und schwächsten Menschen dieser Welt am stärksten betreffen – Menschen, die in den entlegensten Regionen der Welt leben, am wenigsten Ressourcen und – wenn überhaupt – nur sehr begrenzten Zugang zu Gesundheitsversorgung haben.

Die Fortschritte im Kampf gegen eine dieser tropischen Krankheiten – die afrikanische Trypanosomiasis, auch bekannt als Schlafkrankheit – haben selbst mich überrascht.

Bei der afrikanischen Schlafkrankheit handelt es sich um eine von Tsetse-Fliegen übertragene Infektion mit Parasiten. Mehrere Millionen Menschen in den Ländern südlich der Sahara sind durch diese Krankheit gefährdet. Ohne medizinische Behandlung verläuft die Krankheit in fast 100 Prozent der Fälle tödlich.

“Wir haben das Potenzial die Schlafkrankheit auszurotten– eine Krankheit, der die Welt viel zu wenig Beachtung schenkt.”

   
Aber hier kommt der überraschende Teil: Wir haben die erforderlichen Mittel, um die Schlafkrankheit – eine von der Weltöffentlichkeit nicht beachtete Krankheit – auszurotten, und zwar schneller als Sie vielleicht denken.

Fortschritte in Uganda zeigen bereits, was möglich ist. 2007 gab es dort noch fast 300 Fälle. Bis 2013 war diese Zahl auf 10 gesunken. In diesem Jahr gab es erst vier Erkrankungen.

Genau darum investiert die Bill & Melinda Gates Stiftung in Innovation. Es gibt inzwischen neue Technologien zur Diagnose, neue Arzneimittel, die in klinischen Studien getestet werden, und neue Produkte zur Eindämmung der Insektenpopulationen. Mit einer ausgeklügelten Kartierung und Mikroplanung können wir diese Krankheiten noch gezielter bekämpfen – wie das Beispiel Polio zeigt.

Die Schlafkrankheit ist eine Krankheit, die durch die Tsetsefliege übertragen wird und von denen Menschen in ländlichen, armen Gegenden Afrikas unverhältnismäßig stark betroffen sind. Dank der Fortschritte in Screening, Behandlung und Vektorkontrolle sind wir der Eliminierung dieser Krankheit einen Schritt näher gekommen.
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Screening: Nach dem Blut-Screening erfolgt ein bestätigender Blut- oder Lymphknoten-Aspirationstest. Bei einem positiven Test wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, um den Krankheitsgrad zu bestimmen. In der Zukunft wird ein einziger Blutschnelltest die Diagnose ermöglichen.
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Behandlung: Jahrzehntelang war eine Behandlung nur mit arsenhaltigen Medikamenten möglich und führte in 10% der Fälle zum Tod. In jüngster Zeit werden effektivere Medikamente verwendet, die mindestens 7 Tage lang injiziert oder per Infusion verabreicht werden müssen. Zwei Medikamente, die noch in der Testphase sind, können oral eingenommen werden.
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Insektenkontrolle: Jahrelang umfasste die Kontrolle der Tsetsefliege das Aufstellen großer Fallen, die pro Quadratkilometer bis zu $482 kosteten. Neue, sogenannte „winzige Ziele“ sind kleiner und günstiger— sie kosten jeweils rund $1 oder insgesamt $85 für einen Quadratkilometer.
Schlafkrankheit: Ein Angriff auf 3 Fronten

Aber bedeutend sind Innovationen nur, wenn sie die Menschen erreichen, die diese wirklich benötigen. Deutlich wird das am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo, aus der die meisten Fälle gemeldet werden, diese Krankheit aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel, defizitärer Infrastruktur und mangelnde Schwerpunktsetzung nicht effektiv bekämpft wird.

Wir müssen andere dazu bringen, wie wir daran zu glauben, dass wir die Welt von der Schlafkrankheit befreien können. Darum müssen wir uns fragen: Können wir uns noch höhere Ziele setzen?

Die Antwort ist ein lautes und deutliches Ja.

Ein Grund für unseren Optimismus ist die zunehmende und vermehrte Bereitstellung von Ressourcen und Expertise für die globale Gesundheit und Entwicklung durch Partner aus dem Privatsektor.

An jedem Teilansatz zur Ausrottung vernachlässigter Infektionskrankheiten – Insektenkontrolle, Diagnostik und Behandlung – ist ein kommerzieller Partner beteiligt.

Damit Märkte für arme Menschen arbeiten, geht die Bill & Melinda Gates Stiftung finanzielle Risiken ein, die die Privatwirtschaft nicht eingehen kann oder will. Die Unternehmen, die sich am Kampf gegen die Schlafkrankheit beteiligen, tun dies ohne Marktanreize oder die Aussicht auf bedeutende Gewinne. Sie tun dies, weil sie so einen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheitsversorgung leisten können.

Anders ausgedrückt: Partner aus dem Privatsektor engagieren sich aus einem einfachen Grund für Programme zur Bekämpfung der Schlafkrankheit: weil sie damit das Richtige tun.

Ich habe einen bedeutenden Teil meiner beruflichen Laufbahn in der Biotechnologie-Industrie verbracht und sehe mit großer Begeisterung, was möglich ist, wenn private Unternehmen ihre Ressourcen freisetzen, um armen Menschen zu helfen. “Corporate Social Responsibility“-Initiativen sind ein Ansatz, um einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Außerdem wollen wir durch Partnerschaften mit dem Privatsektor, von denen beide Seiten profitieren, dort aktiv werden, wo der Markt versagt. Wenn wir unsere individuellen Stärken bündeln, sollten wir nicht überrascht sein, welche Möglichkeiten sich ergeben.

Lehren aus dem Bildungswesen in den USA

Bill und Melinda Gates wollten von Anfang an sicherstellen, dass ihre Stiftung eine lernende Organisation ist – eine Organisation, die sich weiterentwickelt und mit Kursänderungen auf neue Erkenntnisse reagiert. Mit am meisten gelernt hat unsere Stiftung aus ihrer Arbeit mit allgemeinbildenden Schulen in den USA.

Wir sind überzeugt, dass eine gute Bildung in den USA die Voraussetzung für eine gute Karriere ist. Mein Kollege Allan Golston hat zu diesem Thema auf einer Veranstaltung für Bildungsexperten im vergangenen Jahr eine mitreißende Rede gehalten.

Aber die Tatsache ist und bleibt, dass Systemveränderungen ein harter Kampf sind.

Immer noch ist zu vielen Schülern der Weg zu einem erfüllten Leben in finanzieller Sicherheit versperrt. 2015 zeigte die ACT-Studie „Condition of Career and College Readiness“, dass nur 40 Prozent der amerikanischen Schüler drei der vier Vorgaben für die College-Qualifizierung in Englisch, Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften erfüllten. Afroamerikanische Schüler schnitten nochmals deutlich schlechter ab.

Diese Statistik ist leider allzu real. Es ist extrem schwierig, mehr wirklich gute öffentliche Schulen zu schaffen.

Ich bin aber optimistisch, dass jeder Schüler erfolgreich lernen kann, wenn entsprechend hohe Standards gesetzt werden. Und wenn Lehrer klare und einheitliche Vorstellungen davon haben, was ihre Schüler am Ende jedes Jahres leisten können, eröffnen sich Chancen auf eine bessere Zukunft für die Schüler. Die „Common Core State Standards“ zur Vorbereitung auf ein College-Studium helfen, diese Vorstellungen zu definieren.

“Wir glauben fest daran, dass Bildung eine Brücke zu neuen Chancen in Amerika schafft.”

In einigen der Bundesstaaten, in denen die „Common Core State Standards“ umgesetzt worden sind, sehen wir bereits erste Verbesserungen in den Leistungen der Schüler. Kentucky, der erste Staat, der die Vorgaben umsetzte, ist ein sehr gutes Beispiel.

Kentucky hat den Gemeinsinn aktiviert und Eltern, Lehrer und Schulleiter mit ins Boot geholt, um ein verknüpftes System von Standards, Lehrer-Feedback und -Unterstützung sowie laufender Erfolgsmessungen aufzubauen. Dadurch hat sich der Anteil der Schüler, die drei der vier ACT-Voraussetzungen für ein College-Studium erfüllen, seit 2011 von 27 Prozent auf 33 Prozent erhöht. Auf nationaler Ebene ist diese Kennzahl seit 2011 unverändert. Eine Verbesserung um 6 Prozentpunkte ist daher ein Zeichen für echten Fortschritt.

Ein tiefgreifendes, gezieltes Engagement ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Hohe Standards und Erwartungen sind bedeutungslos, wenn Lehrer nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügen, um ihren Schülern zu helfen, diese zu erfüllen.

Leider hat unsere Stiftung den Bedarf an Ressourcen und Unterstützung für die Umsetzung der Standards in unseren öffentlichen Bildungssystemen unterschätzt. Wir haben frühzeitig in diesem Prozess eine Chance verpasst, die Bildungsverantwortlichen – vor allem die Lehrer – sowie Eltern und Gemeinden ausreichend einzubinden, damit die Standards schneller Wirkung zeigen.

Bill und Melinda Gates treffen sich mit Schülern an der Betsy Layne High School im östlichen Teil des US-Staats Kentucky.

Das zu akzeptieren war nicht leicht, aber wir nehmen uns diese Lehre zu Herzen. Die Mission, das amerikanische Bildungssystem zu verbessern, ist ein gleichermaßen großes und komplexes Unterfangen, und die Bill & Melinda Gates Stiftung hat nicht alle Lösungen griffbereit.

Aber jede schwierige Lektion verstärkt unser Bekenntnis zur Unterstützung der Entwicklung von Lehrern und Schülern.

Alle Lehrer und Schüler sollten Zugang zu Unterrichtsmaterialien höchster Qualität haben. Viel zu viele Bezirke melden aber zurück, dass die Identifizierung oder Entwicklung von Unterrichtsmaterialien, die den „Common Core Standards“ entsprechen, eine Herausforderung ist. Daher müssen Lehrer Zeit dafür aufwenden, Lehrpläne anzupassen oder zu erarbeiten, Unterrichtsstunden zu entwickeln und nach Unterrichtsmaterialien zu suchen.

Zu den erfreulichsten meiner Arbeit gehören die Gespräche mit den Bildungsverantwortlichen. Niemand weiß so gut wie Lehrer, was es bedeutet, Schüler zu unterrichten. Daher verdoppeln wir unser Engagement in diesem Bereich, um sicherzustellen, dass die Lehrer über das verfügen, was sie brauchen, um ihre einzigartigen Kompetenzen optimal einsetzen zu können.

Digitale Inhalte und Werkzeuge für die Unterrichtsplanung – wie LearnZillion, Better Lesson und EngageNY – bieten mehreren Millionen Lehrern eine zunehmend attraktive Alternative zu traditionellen Schulbüchern.

Wir unterhalten eine Partnerschaft mit EdReports.org, dem Consumer Reports of K-12 Lehrplan, um kostenlosen und offenen Zugang zu Rezensionen und Erfahrungsberichten von Lehrern zu Unterrichtsmaterialien bereitzustellen. Das wird es für Bildungsverantwortliche in allen Teilen der USA einfacher machen, hochwertige, an einheitlichen Standards ausgerichtete Unterrichtsmaterialien zu suchen, zu entwickeln und anzufordern.

Unsere Lernreise im amerikanischen Bildungssystem ist noch längst nicht abgeschlossen, aber für uns ist dies ein langfristiges Engagement. Ich bin optimistisch, dass das, was wir von unseren Partnern – und vor allem von den Bildungsverantwortlichen – lernen, dazu beitragen wird, dass das amerikanische Schulsystem wieder zum Motor der Chancengleichheit wird, der es unser aller Meinung nach sein sollte.

Stellen Sie sich die Möglichkeiten vor

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch die Geschichte von Haliru Usman erzählen.

Herr Usman ist ein Umweltbeauftragter in Nigeria, der Abwasserproben entnimmt, um diese auf das Polio-Virus zu testen. Ich traf ihn bei einem Besuch im Bundesstaat Kaduna, wo ich mich über die Krankheitsüberwachung informieren wollte, eine der wichtigsten Innovationen für die Realisierung des globalen Ziels, das Polio-Virus auszurotten.

Herr Usman war stolz auf seine Arbeit, weil er wusste, dass sie hilft, Leben zu retten und Leiden zu verhindern.

Herr Usman ist ein Umweltbeauftragter in Nigeria, der Abwasserproben entnimmt, um diese auf das Polio-Virus

Er hatte Recht. Nigeria hat den Meilenstein eines Polio-freien Jahres einen Monat nach meinem Besuch erreicht. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen wurde auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ein ganzes Jahr lang kein Kind durch eine Infektion mit dem Polio-Virus gelähmt.

Dieser Fortschritt ist das Ergebnis jahrzehntelanger harter Arbeit durch die „Global Polio Eradication Initiative“ (GPEI). Lange bevor sich die Gates Stiftung an dieser Initiative beteiligte, leisteten die Mitglieder der GPEI Pionierarbeit im Kampf gegen diese Krankheit. Der inzwischen erzielte Fortschritt im Kampf gegen Polio ist eine großartige Errungenschaft.

Jetzt, da die Welt die letzten Bollwerke des Polio-Virus – Pakistan und Afghanistan – angeht, fragen wir uns wieder: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn wir die besten Wissenschaftler mobilisierten, die besten Technologien bereitstellten, globale Partnerschaften nutzten und Helden und Experten wie Herrn Usman aktivierten, um eine jahrzehntealte Vision zu realisieren?

Es ist eine große Ehre, mit so vielen anderen zusammenzuarbeiten, die sich der Beantwortung dieser Frage verschrieben haben.

Wenn wir Polio ausrotten, befreien wir die Menschheit von einer ihrer ältesten Plagen. Zugleich schaffen wir damit die Grundlagen für neue Möglichkeiten, andere Krankheiten abzuschaffen, die die Ärmsten dieser Welt am stärksten betreffen.

Wir halten die Verwirklichung dieser Vision – einer Vision, die aus dem kühnen Ziel einer Polio-freien Welt entstanden ist – für absolut möglich. Schauen Sie sich an, wie weit wir damit gekommen sind.

Und jetzt, da wir uns gemeinsam neuen globalen Herausforderungen stellen, stellen Sie sich einmal vor, wie viel weiter wir noch kommen können.

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