Im Laufe meiner Karriere im Bereich Software und Philanthropie—und in jedem meiner jährlichen Briefe—habe ich immer wieder betont, dass Innovation der Schlüssel zu einer besseren Welt ist. Wenn Forscher an dringenden Problemen arbeiten und Menschen in Not Lösungen bieten, können die Ergebnisse wahre Wunder bewirken.
Aktuell lebt 1 Milliarde Menschen—das sind etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung—in extremer Armut. Diese Menschen machen sich fast jeden Tag Sorgen darüber, ob ihre Familien genug zu essen haben werden. Das Ironische daran ist, dass die meisten von ihnen auf Farmen leben. Leider sind ihre Farmen aber in der Regel nur wenige Hektar groß und produzieren nicht genug Nahrungsmittel für eine Familie.
Allerdings sind 15 Prozent schon eine enorme Verbesserung. Vor fünfzig Jahren waren noch 40 Prozent der Weltbevölkerung extrem arm. Dann schufen Norman Borlaug und andere Forscher in den 1960er und 1970er Jahren mit der „Grünen Revolution“ neue Reis-, Weizen- und Maissamen, durch die viele Bauern ihre Erträge wesentlich steigern konnten. In einigen Regionen, zum Beispiel in Ostasien, stieg die Nahrungsversorgung um bis zu 50 Prozent. Weltweit sank der Preis für Weizen um zwei Drittel. Diese Veränderungen haben unzählige Leben gerettet und vielen Nationen geholfen, sich zu entwickeln.
Wir sind in der Lage, diesen historischen Prozess zu beschleunigen. Wir können innovativere Methoden einsetzen, um den Bauern bereits vorhandene Lösungen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen. Kenntnisse über Bodenbearbeitung und Techniken wie Tröpfchenbewässerung können den Bauern schon heute helfen, mehr Lebensmittel zu produzieren. Außerdem können wir neue Ansätze schaffen und Techniken entwickeln, die das Leben der Bauern von Grund auf ändern werden. Aber wir werden keine Fortschritte machen, wenn wir die landwirtschaftliche Innovation nicht unterstützen, und ich bin sehr besorgt darüber, wie wir bei der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage genügend Gelder akquirieren sollen.
"Mein Brief in diesem Jahr
soll ein Argument dafür sein,
extrem arme Menschen auch
weiterhin dabei zu unterstützen,
sich selbst zu helfen."
- bill gates
Die Welt steht vor einer eindeutigen Wahl. Wenn wir nur relativ geringe Mittel investieren, werden mehr arme Bauern in der Lage sein, ihre Familien zu ernähren. Wenn wir es nicht tun, werden auch weiterhin Menschen unnötig hungern. Mein Brief in diesem Jahr soll ein Argument dafür sein, extrem arme Menschen auch weiterhin dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen.
Und dabei geht es mir nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um alle Bereiche der globalen Entwicklung und der globalen Gesundheit, in denen wir arbeiten. Durch den Einsatz neuester Techniken und Mittel wie z.B. Samen, Impfstoffe, AIDS-Medikamente und Verhütungsmittel, haben wir bereits beeindruckende Ergebnisse erzielt. Aber wenn wir diese Erfolgsgeschichten nicht bekannt machen, werden wir nicht in der Lage sein, weitere Spenden zu sammeln, weiterhin Fortschritte zu machen und Leben zu retten. Die Zukunft von einer Milliarde Menschen steht auf dem Spiel.
Innovation in der Landwirtschaft
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Innovation in der Landwirtschaft
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ABSCHNITT
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Der private Markt ist in vielen Bereichen unglaublich innovativ, insbesondere für Leute, die Geld haben. Der Schwerpunkt der Stiftung, die Melinda und ich gegründet haben, liegt darin, Innovationen in den Bereichen zu fördern, in denen es weniger Profitchancen gibt, wo aber die Auswirkungen für Menschen in Not sehr hoch sind. Deshalb haben wir fast 2 Milliarden $ für die Unterstützung armer Bauernfamilien gespendet, darunter viele alleinerziehende Mütter, sodass diese ihre Produktivität steigern und gleichzeitig das Land für zukünftige Generationen bewahren können. Diese Mittel werden in viele Innovationsbereiche investiert – von nachhaltiger Landbewirtschaftung, über bessere Schulungsmöglichkeiten für Bauern bis hin zu deren Anbindung an funktionierende Märkte.
Wir tun all dies mit einem Ziel vor Augen—Menschen wie Christina Mwinjipe zu helfen, einer Bäuerin, die ich letztes Jahr in Tansania traf. Christina ernährt ihre Familie durch den Anbau von Maniok, ein Grundnahrungsmittel für 500 Millionen Menschen weltweit. (Zu einem Pulver getrocknet wird Maniok als Tapioka bezeichnet.) In den vergangenen zwei Jahren wurde Christinas Ernte von zwei neuen Maniokkrankheiten befallen. Die Blätter einiger ihrer Pflanzen haben sich eingerollt, sind verdorrt und übersät von den weißen Fliegen, die die Mosaikkrankheit übertragen. Die Wurzeln anderer Pflanzen sind durch die Infizierung mit dem Braunstreifenvirus verrottet. Wegen dieser Krankheiten muss Christina ihre Ersparnisse für den Kauf von Maniok ausgeben, um ihre drei Kinder zu ernähren. Ihr ältester Sohn hat gerade die Aufnahmeprüfung für die weiterführende Schule bestanden, aber sie weiß nicht, wie sie das Geld aufbringen soll, um seine Schulgebühren zu bezahlen. Sie ist nicht sicher, wie sie ihre Familie ernähren soll, wenn ihre Ersparnisse aufgebraucht sind.
Christina Mwinjipe überprüft ihre Maniokpflanze
(Mapinga Village, Tansania, 2012).
Für Christina und andere kleine Bauern—und für Hunderte Millionen extrem armer Menschen, die in den Slums der Großstädte leben—ist Essen jeden Tag die größte Sorge. Und Essen ist stark an eine andere ständige Sorge gebunden: die allgemeine Gesundheit. Der Mangel an einer ausreichenden Ernährung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass arme Kinder so oft an Krankheiten wie Durchfall sterben, die reichere und besser genährte Kinder überwinden können. Schlechte Ernährung in der Kindheit beeinträchtigt auch die Entwicklung von Gehirn und Körper und führt auf dramatische und unwiderrufliche Weise dazu, dass Kinder sich nicht gut entwickeln und lernen können, um zu gesunden, produktiven Erwachsenen heranzuwachsen. Letztlich gibt es nur sehr wenig im Leben von Christina und ihren Kindern, das nicht von ihrer Maniokernte abhängt.

Die Landwirtschaft ist das beste Beispiel für etwas, das für Arme eine kritische Bedeutung hat, das aber in den reichen Ländern nur sehr wenig Aufmerksamkeit erhält. Im 19. Jahrhundert war die Mehrheit der Menschen in den Vereinigten Staaten in der Landwirtschaft tätig. Heute sind es weniger als 2 Prozent der Berufstätigen, und weniger als 15 Prozent der Konsumausgaben in den USA entfällt auf die Nahrung. Landwirtschaftliche Angelegenheiten schaffen es nur selten in die Nachrichten. Dies geschieht nur, wenn die Nahrung kontaminiert ist, wenn staatliche Subventionen diskutiert werden oder wenn es eine Hungersnot wie zurzeit am Horn von Afrika gibt.
Trotz der Distanz der reichen Welt von der Landwirtschaft sind Lebensmittelthemen für uns alle wichtig. In den 1960er und 1970er Jahren, als ich auf der Highschool war, machten sich die Menschen Gedanken darüber, dass wir einfach nicht genug Nahrungsmittel zur Ernährung aller Menschen weltweit hätten. Ein beliebtes Buch, das im Jahr 1968 erschien, „The Population Bomb“ (Die Bevölkerungsbombe) von Paul Ehrlich, beginnt mit der Aussage: „Der Kampf um die Ernährung der gesamten Menschheit ist vorbei. In den 1970er Jahren werden trotz aller aktuell gestarteten Crash-Programme Hunderte Millionen von Menschen verhungern. Zu diesem späten Zeitpunkt kann nichts einen erheblichen Anstieg der Sterberate weltweit verhindern...“ Zum Glück erwies sich diese düstere Prognose zum großen Teil dank der Grünen Revolution als falsch.
Aber der Erfolg bei der Abwehr von Hungersnöten führte zu Selbstzufriedenheit. Im Laufe der Zeit konzentrierten sich die Regierungen in Industrie- und Entwicklungsländern weniger auf die Landwirtschaft. Agrarbeihilfen sanken von 17 Prozent der gesamten Entwicklungshilfe aus den reichen Ländern im Jahr 1987 auf nur 4 Prozent im Jahr 2006. In den vergangenen 10 Jahren hat die Nachfrage nach Lebensmitteln aufgrund von Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung stetig zugenommen—je reicher die Menschen werden, desto mehr Fleisch essen sie, was indirekt auch die Nachfrage nach Getreide erhöht. Das Versorgungswachstum konnte dabei nicht mithalten, was zu höheren Preisen führt. Inzwischen wird auch die Bedrohung durch den Klimawandel immer deutlicher. Vorläufige Studien zeigen, dass der Temperaturanstieg allein die Ergiebigkeit der wichtigsten Kulturpflanzen um über 25 Prozent reduzieren könnte. Durch den Klimawandel wird es zudem verstärkt zu Dürreperioden und Überschwemmungen kommen, die die gesamte Ernte eines Jahres von Kulturpflanzen auslöschen können. Mit einem erwarteten Anstieg der Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden im Jahre 2050 hört man von immer mehr Menschen vertraute Warnungen darüber, dass die Menschheit in Zukunft nicht in der Lage sein wird, sich zu ernähren.

Ich glaube, diese neuen düsteren Prognosen können ebenso falsch sein. Wir können armen Bauern helfen, ihre Produktivität nachhaltig zu steigern, sodass sie sich und ihre Familien ernähren können. Dadurch werden sie zur globalen Ernährungssicherung beitragen. Aber das wird nur geschehen, wenn wir landwirtschaftliche Innovation priorisieren.
Landwirtschaftliche Forschung
Angesichts der zentralen Rolle, die Nahrung für das menschliche Wohlergehen und die nationale Stabilität spielt, ist es schockierend—und zudem kurzsichtig und gefährlich—wie wenig Geld für die Agrarforschung ausgegeben wird. Insgesamt werden pro Jahr nur 3 Milliarden $ für die Erforschung der sieben wichtigsten Nutzpflanzen ausgegeben. Davon entfallen 1,5 Milliarden $ auf die Länder, 1,2 Milliarden $ auf private Unternehmen und 300 Millionen $ auf eine Agentur namens Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR). Obwohl die Investitionen der CGIAR nur 10 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen, sind diese Gelder entscheidend, da sie sich auf die Bedürfnisse armer Länder konzentrieren. Ein nur sehr geringer Betrag der von den Ländern und privaten Unternehmen investierten Summen wird für die Prioritäten von Kleinbauern in Afrika oder Südasien ausgegeben.
"Wir können armen Bauern
helfen, ihre Produktivität
nachhaltig zu steigern,
sodass sie sich und ihre
Familien ernähren können.
Aber das wird nur geschehen,
wenn wir landwirtschaftliche
Innovation priorisieren."
- bill gates
Dieser Mangel an Forschungsmitteln ist besonders wegen der zunehmenden Verbreitung von Pflanzenkrankheiten besorgniserregend, wie diejenigen, die Christina Mwinjipes Maniokpflanzen zerstören. Genau wie Menschen werden auch Pflanzen von Viren, Bakterien und Pilzen befallen. Auch sie müssen sich gegen Insekten oder andere Tiere verteidigen, aber im Gegensatz zum Menschen können sie nicht vor ihren Feinden weglaufen. Pflanzen haben ausgeklügelte Systeme der Selbstverteidigung entwickelt, die wir gerade erst anfangen zu verstehen. Eine erstaunliche Erkenntnis ist, dass bei einigen Arten eine angegriffene Pflanze einen Duft verströmt, der andere Pflanzen anregt, ihre Energie dafür aufzuwenden, sich selbst zu verteidigen, anstatt sich auf das Wachstum zu konzentrieren.
Da Bauern in der Regel Pflanzen säen, die bestmögliche Erträge liefern, ist die Vielfalt der Sorten auf den Feldern recht begrenzt. Das schafft die perfekte Voraussetzung für die Verbreitung von Krankheiten. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Kartoffelfäule, die sich in den 1840er Jahren in ganz Europa ausbreitete und zu einem Massensterben in Irland führte. Weniger bekannt ist die Southern Corn Leaf Blight, eine Maiskrankheit, die in den frühen 1970er Jahren durch die Vereinigten Staaten fegte. Zum Glück hatten die Vereinigten Staaten in diesem Fall ausreichende strategische Reserven, um eine Krise abzuwenden.
Der Nobelpreisträger und Vater der Grünen Revolution Norman Borlaug begann, sich für die Pflanzenforschung zu interessieren, als er den Vortrag eines Professors mit dem Titel „These Shifty Little Enemies that Destroy our Food Crops“ (Die verschlagenen kleinen Feinde, die unsere Ernte zerstören) hörte. Im Auftrag der Rockefeller Foundation zog Borlaug nach Mexiko, wo er neue Weizensorten entwickelte, die gegen einen Pilz namens Weizenrost resistent sind. Erst dort entwickelte er neue Strategien, um die Weizenproduktivität zu steigern. Borlaug befürchtete stets, dass neue Formen von Weizenrost auftauchen könnten. Leider erwies sich seine Befürchtung als richtig: im Jahre 1999 trat eine neue und äußerst virulente Form des Weizenrosts— Ug99—in Uganda auf. Obwohl Ug99 bisher vor allem in Afrika auftritt, hat der Pilz das Rote Meer bereits überwunden, kommt jetzt auch im Iran und im Jemen vor und breitet sich weiter Richtung Indien aus.
Weizenhalme in einer Pflanzenzuchtstation zur Bekämpfung des Getreideschwarzrosts
(Variante Ug99). ©University of Minnesota, David L. Hansen
Der Kampf gegen Ug99 begann langsam, aber die großartige Arbeit einiger Experten, darunter auch Forscher in Äthiopien und Kenia, hat neue Sorten mit einem gewissen Maß an Immunität hervorgebracht. Es wird ein enormer Aufwand betrieben um sicherzustellen, dass die neuen Sorten großflächig eingesetzt werden, bevor die Krankheit in Asien oder Amerika ankommt.
Ein weiterer Bereich, den die Wissenschaftler noch viel genauer erforschen müssen, sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Produktivität. Offenbar gibt es Reis- und andere Pflanzensorten, die mit höheren Temperaturen und Wetterschwankungen besser zurecht kommen als die heutigen Pflanzen. Einige Sorten profitieren sogar von erhöhten CO2-Konzentrationen, allerdings gibt es keine klaren Angaben über den Umfang. Frühe Gewächshausstudien waren sehr vielversprechend, aber Feldstudien haben viel geringere Effekte gezeigt. Die Welt muss in eine Vielzahl von Techniken investieren, um armen Bauern dabei zu helfen, mit Witterungseinflüssen besser als heute zurechtzukommen.
Dr. Abdel Ismail überprüft Reissorten, die auf ihre Flutbeständigkeit getestet werden
(Laguna, Philippinen, 2008). ©IRRI, Ariel Javellana
Als ich zum Beispiel im März in Indien war, traf ich mich mit ca. 20 Reisbauern, die kürzlich auf eine neue Sorte Reissaatgut, genannt SwarnaSub1, umgestellt hatten. Diese ist zum einen sehr produktiv und überlebt zum anderen auch dann, wenn die Felder überflutet werden. Die Felder dieser Bauern werden alle drei bis vier Jahre überschwemmt, und in den vergangenen Hochwasserjahren hatten sie fast nichts zu essen. Jetzt können sie ihre Familien ernähren—unabhängig vom Wetter. Derzeit gehen in Bangladesch und Indien durch Überschwemmungen jedes Jahr 4 Millionen Tonnen Reis verloren. Aber wenn die Bauern in der Region SwarnaSub1 säen, können sie genug zusätzlichen Reis ernten, um 30 Millionen Menschen zu ernähren.
Zum Glück findet nun offenbar ein Umdenken in der chronischen Unterfinanzierung der landwirtschaftlichen Forschung statt, und es wird in Zukunft wohl mehr Innovationen wie SwarnaSub1 geben. Ein vielversprechender Ansatz sind innovative Partnerschaften mit privaten Unternehmen, die ihre proprietären Vermögenswerte, in die sie Hunderte Millionen Dollar investiert haben, sowie ihr Know-how einsetzen, um armen Bauern geeignetes Saatgut kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Andere wichtige Partner sind sich schnell entwickelnde Länder wie Brasilien und China, die nicht nur für neue Ressourcen sorgen, sondern auch umfassende Erfahrungen bei der Unterstützung armer Bauern im eigenen Land mitbringen. Brasilien ist ein führender Produzent von Sojabohnen, Maniok und tropischen Böden. China ist führend in der Produktion von Reis sowie bei der Ausbildung von Bauern. In diesem Jahr hat die Stiftung Modellvereinbarungen zur Zusammenarbeit mit beiden Ländern geschlossen.
Auch in der Pflanzenforschung findet eine äußerst wichtige Revolution auf Basis eines zunehmend differenzierteren Verständnisses von Pflanzengenen statt. Die Techniken, die diese Revolution ermöglichen, wurden geschaffen, um menschliche Krankheiten zu heilen. Im Bereich der Landwirtschaft ist man gerade dabei, herauszufinden, wie man sie nutzen kann—aber es steht bereits fest, dass sie die Fortschritte in der Pflanzenforschung erheblich vorantreiben werden. Es ist unglaublich, wie wertvoll dieser Wissensschatz, der für menschliche Krankheiten entwickelt wurde, für die Erforschung von Pflanzen ist.
Historisch gesehen bedeutet die Steigerung der Produktivität von Kulturpflanzen, zwei Samen mit jeweils einigen erwünschten und einigen unerwünschten Eigenschaften zu kreuzen, bis eine Kombination mit überwiegend erwünschten Eigenschaften aus diesen hervorgeht. Dazu mussten praktisch immer Zehntausende von Pflanzen gezüchtet werden, um zu sehen, wie sie sich unter verschiedenen Anbaubedingungen im Laufe der Zeit entwickeln—zum Beispiel, wenn viel oder wenig Wasser vorhanden ist.

Heute sieht das Verfahren ganz anders aus. Stellen Sie sich zum Vergleich eine große öffentliche Bibliothek mit Zimmern voller Bücher vor. Früher mussten wir den Karteikatalog durchsuchen und dann die Bücher nach den Informationen durchblättern, die wir benötigten. Heute kennen wir die genaue Seite mit den Informationen, die wir brauchen. Auf die gleiche Weise können wir genau herausfinden, welche Pflanze welches Gen mit einem bestimmten Merkmal hat. So kann die Pflanzenzüchtung erheblich beschleunigt werden. Der private Sektor war bei der Nutzung neuer Ansätze am schnellsten, aber auch akademische Gruppen, darunter eine chinesische Gruppe namens BGI, die mehr Sequenzierungsmöglichkeiten besitzt als jede andere weltweit, holen auf.
Als ich in Tansania war, wo ich Christina Mwinjipe kennenlernte, traf ich auch Dr. Joseph Ndunguru, einen Pflanzenforscher, der ein Projekt zur Bekämpfung der Mosaik- und Braunstreifenkrankheit leitet, von denen Christinas Ernte befallen ist. Dr. Ndunguru ist Teil einer neuen Generation afrikanischer Wissenschaftler, die den Grundstein für innovative Wissenschaft in Afrika legt. Dr. Ndunguru wurde ein hochbezahlter Job in Südafrika angeboten, aber er entschied sich, bei dem staatlichen Programm in Tansania zu bleiben. Ich fragte ihn, warum, und er antwortete, dass seine Arbeit in diesem Programm für ihn die beste Möglichkeit sei, modernste Wissenschaft mit den Bedürfnissen der lokalen Bauern zu verbinden.
Dr. Joseph Ndunguru erforscht Ernteproben in seinem Labor
(Dar es Salaam, Tansania, 2012).
Wenn ich über Innovation spreche, ist dies für einige Menschen vielleicht ein abstrakter Begriff. Aber die direkte Verbindung zwischen den Herausforderungen, denen Christina gegenüber steht, wenn ihre Ernte vernichtet wird und den Lösungen, an denen Dr. Ndunguru jeden Tag arbeitet, verdeutlichen das Konzept. Krankheitsresistenter Maniok ist die Antwort auf Christinas Wunsch, und ich freue mich schon auf den Tag, an dem Dr. Ndunguru seine Arbeit abschließen, wieder nach Tansania reisen und gesunde, kräftige Maniokpflanzen auf Christinas Feld bewundern kann. Darum bin ich der Meinung: Innovation war und ist nach wie vor der Schlüssel für eine bessere Welt.
Weltgesundheit
Die meisten unserer Stiftungsmittel investieren wir in weltweite Gesundheitsmaßnahmen, und unsere Leitprinzipien für diese Investitionen sind die gleichen wie in der Landwirtschaft: Innovation ist das Mittel, und Gleichheit ist das ultimative Ziel. Als Melinda und ich vor mehr als einem Jahrzehnt mit dieser Arbeit begannen, wurden wir von der Überzeugung inspiriert, dass „alles Leben den gleichen Wert hat. Daher waren Impfstoffe zum Schutz aller Kinder—ob arm oder reich—einer der ersten Bereiche, in die wir investiert haben. Kurz gesagt, Impfstoffe funktionieren. Vor zwei Jahren riefen Melinda und ich die Global Health-Community auf, dieses Jahrzehnt zum „Jahrzehnt der Impfstoffe“ zu machen.
Die Organisation, die für die Unterstützung armer Länder bei der Einführung neuer lebensrettender Impfstoffe zuständig ist, heißt GAVI Alliance. Im vergangenen Sommer veranstaltete GAVI ein Treffen, um Zusagen von Geberländern und Unternehmen zu bekommen. Das Ziel waren 3,7 Milliarden $ in fünf Jahren, und wir wussten, dass es nicht der ideale Zeitpunkt für eine so hohe Summe war. Im Laufe des gesamten Frühjahrs waren wir uns wirklich nicht sicher, ob wir es schaffen. Schließlich erhielten wir ein paar Wochen vor der Konferenz nach und nach die Zusagen, und sie lagen durchweg im oberen Bereich von dem, was wir erwartet hatten. Am letzten Tag rechneten wir die einzelnen Beträge zusammen, um die Gesamtsumme zu ermitteln. Insgesamt erhielt GAVI Zusagen über 4,3 Milliarden $.
Kinder warten darauf, mit einem neuen Impfstoff zum Schutz vor Meningitis A geimpft zu werden
(Ouagadougou, Burkina Faso, 2010). ©PATH, Gabriel Bienczycki
Dank dieser Beträge werden die ärmsten Säuglinge der Welt jetzt die gleichen Impfstoffe erhalten wie die Kinder in den reichen Ländern. Durch die Großzügigkeit der Spender und erhebliche Preissenkungen der Impfstoffhersteller kann GAVI jetzt auch zwei relativ neue Impfstoffe verteilen: gegen Rotavirus (zum Schutz vor den Hauptursachen von Durchfallerkrankungen) und Pneumokokken. Bis 2015 werden diese Impfstoffe 190.000 Todesfälle aufgrund von Durchfallerkrankungen und 480.000 Todesfälle durch Atemwegserkrankungen verhindern—ganz zu schweigen von der Verbesserung der allgemeinen Gesundheit von Millionen von Kindern. Bis 2015 wird das Geld, das GAVI versprochen wurde, insgesamt 4 Millionen Leben retten.
Deshalb ist für mich der 13. Juni 2011, der Tag der Geberkonferenz, ein historischer Tag für Gerechtigkeit in der Weltgesundheit. Es war ein emotionaler Moment für Melinda und mich. Wir freuen uns sehr, dass unsere Stiftung einen Beitrag zu diesem Meilenstein leisten konnte. Aber was uns wirklich bewegte war die Tatsache, dass so viele Partner unsere Vision von einer gerechten Welt teilen und bereit sind, auch in diesen schwierigen Zeiten Geld dafür auszugeben. Wenn die Menschen wissen, was ihre Großzügigkeit bewirken kann, sind sie nicht nur dazu bereit zu helfen, sondern tun dies auch gern.
Es gab noch andere große Meilensteine in der globalen Gesundheitspolitik im vergangenen Jahr. Und es gab auch ein paar Rückschläge. In diesem Abschnitt werde ich über diese Meilensteine und Rückschläge sprechen sowie über die Herausforderungen, die vor uns liegen, und die Lösungen, über die ich mich am meisten freue.
Impfstoffe
"Dank dieser Beträge werden
die ärmsten Säuglinge der Welt
jetzt die gleichen Impfstoffe
erhalten wie die Kinder in den
reichen Ländern."
- bill gates
Bis zur Einführung von Impfstoffen gegen Durchfall und Lungenentzündung in allen Ländern liegen noch Jahre der Arbeit vor uns. Darüber hinaus liegt die globale Versorgung mit grundlegenden Impfstoffen für Kinder bei rund 80 Prozent. Das ist im Vergleich zu vielen anderen medizinischen Problemen gut, bedeutet aber auch, dass nach wie vor eins von fünf Kindern ungeschützt ist. Wir müssen wieder den hohen politischen Stellenwert erreichen, den dieses Thema in den 1970er Jahren hatte, als es uns durch engagierte Bemühungen gelang, die Versorgung mit Impfstoffen in nur einem Jahrzehnt von 20 auf 80 Prozent zu steigern.
Als ich im Mai letzten Jahres bei der World Health Assembly sprach, habe ich den Gates Vaccine Innovation Award angekündigt. Wir waren erfreut, 117 Nominierungen für zahlreiche erstaunliche Arbeiten zu erhalten. Impfstoffe sind das einzige Hochtechnologie-Produkt, das für jedes einzelne Kind verfügbar sein muss. Um wirklich kein Kind auszulassen, bedarf es einer unglaublichen Menge an Einfallsreichtum—und deshalb haben wir diesen Preis ausgeschrieben.
Melinda trifft sich mit Dr. Asm Amjad Hossain, Preisträger des ersten Gates Vaccine Innovation Award
(Dhaka, Bangladesch, 2012).
Ich freue mich, hier ankündigen zu können, dass der erste Preis an Dr. Asm Amjad Hossain geht, einen Distriktbeamten für Impfprogramme in Bangladesch. 2009 wurden Dr. Hossain zwei Bezirke zugeteilt, in denen die Impfrate bei 67 bzw. 60 Prozent lag. Im Jahr 2010 waren es 85 bzw. 79 Prozent. Diese zügige Verbesserung war das Ergebnis von Dr. Hossains innovativem Ansatz bei der Durchführung des Impfprogramms. Er führte einen Registrierungsprozess für schwangere Frauen ein, bei dem der voraussichtliche Entbindungstermin, Wohnort und Telefonnummer erfasst werden, sodass das Impfpersonal weiß, wann Kinder geboren werden und wo sie leben, und somit eine einfache Kontaktaufnahme mit den Eltern ermöglicht wird. Er stellte Jahrespläne für Impftermine bereit, um das Impfpersonal gegenüber den Gemeinden stärker rechenschaftspflichtig zu machen und sorgte dafür, dass die Impfärzte ihre Telefonnummern auf den Impfpass schreiben, sodass Eltern mit kleinen Kindern bei Bedarf Kontakt mit dem Gesundheitspersonal aufnehmen können. Diese Innovationen mögen unbedeutend wirken, aber sie zeigen, wie eine neue Betrachtungsweise alter Probleme einen großen Unterschied machen kann. Neuerungen wie diese werden dank des Einsatzes und der Kreativität von Menschen wie Dr. Hossain auch an anderen Orten übernommen. Zur Bereitstellung lebensrettender Impfstoffe ist der Einsatz vieler bekannter Organisationen wie GAVI, WHO und UNICEF sowie von Regierungsbeamten und—was vielleicht am wichtigsten ist—Hunderttausenden von Helden an vorderster Front erforderlich, wie zum Beispiel Dr. Hossain.
Polio
Weiterhin oberste Priorität der Stiftung ist die Ausrottung von Polio, vielleicht die bekannteste durch Impfung vermeidbare Krankheit der Welt. Ich verbringe viel Zeit damit, mehr über die Krankheit zu erfahren und setze mich sehr dafür ein, sie auszurotten. Anfang 2011 kam der Poliovirus noch in drei Regionen vor: in 10 Ländern in Afrika (mit Fällen, die sich vor allem von Nigeria aus verbreiteten), in Afghanistan und Pakistan sowie in Indien.
Menschen, die Polio-Impfungen durchführen, überqueren den Ganges am letzten Tag der Polio-Kampagne
(Bihar, Indien, 2010).
Jetzt hat Indien einen wichtigen Meilenstein erreicht. Dort trat 2011 nur ein Fall von Polio auf, der am 13. Januar in Westbengalen registriert wurde. Am 13. Januar 2012 konnte Indien also sein erstes poliofreies Jahr feiern. Die Herausforderung in Indien war überwältigend. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie man eine Poliokampagne entwickeln soll, die jedes Kind in Indien erreicht. Das Land hat mehr als 1 Milliarde Einwohner. Viele Familien ziehen auf der Suche nach Arbeit häufig um. Einer der größten Staaten, Bihar, ist hochwassergefährdet. In einigen Fällen war der Impfstoff nicht so effektiv wie in anderen Regionen, wahrscheinlich aufgrund von Mangelernährung, Durchfällen und anderen Erkrankungen. Aber die Regierung führte die Sensibilisierung der Einwohner fort und verbesserte die Impfkampagnen auch in den schwierigsten Gebieten. Die indische Regierung verdient eine besondere Anerkennung für diese Leistung.
Mädchen erhält eine Polio-Schluckimpfung in der Fulani-Siedlung im Mashakeri Village
(Kebbi, Nigeria, 2011).
Im Jahr 2012 müssen wir dafür sorgen, dass Indien und alle anderen poliofreien Regionen vor einem erneuten Vordringen der Krankheit geschützt werden. Der größte Schwerpunkt für das Jahr 2012 wird jedoch die Verbesserung der Polio-Impfkampagnen in Nigeria, dem Tschad, der Demokratischen Republik Kongo sowie in Afghanistan und Pakistan sein. Vor Kurzem besuchte ich den Tschad und Nigeria, um mich mit den Verantwortlichen dort zu treffen, und es wurde deutlich, dass wir auf politischer Ebene auf eine enorme Unterstützung zählen können. Dennoch wird die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Impfteams und die Aufklärung der Eltern, um die Impfung jedes einzelnen Kindes zu gewährleisten, eine Menge Arbeit werden. In Nigeria sind unsere größten Probleme qualitativ schlechte Kampagnen sowie die Tatsache, dass manche Eltern Zweifel an der Sicherheit des Impfstoffs haben. In Pakistan werden diese Probleme durch die Sicherheitslage verschärft.
Es wird eine große Herausforderungen sein, die ca. 1 Milliarde $ pro Jahr aufzubringen, die zur Durchführung der weltweiten Kampagne erforderlich ist. Im vergangenen Jahr leisteten die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Japan, Kanada, Norwegen, Saudi-Arabien, der Kronprinz von Abu Dhabi und Rotary International wesentliche Beiträge. Rotary ist auch weiterhin das Herz und die Seele der Ausrottungskampagne von Polio, zum einen durch die direkte Unterstützung des Programms und zum anderen durch verstärkte Spendenaufrufe. Ein neuer Partner, der FC Barcelona, verbreitet die Botschaft zur Ausrottung der Kinderlähmung unter Millionen von Fußballfans auf der ganzen Welt.
Wir werden auch weiterhin in Studien zur Ausbreitung von Polio investieren und versuchen, Modelle zur Intensivierung von Impfkampagnen zu entwickeln. Außerdem arbeiten wir an neuen Impfstoffen. Die Suche nach jedem einzelnen Poliofall erfordert gute Techniken und ausgebildete und motivierte Mitarbeiter in jedem einzelnen Land.
Das sind enorme Hürden, aber der Erfolg der Poliokampagne in Indien und 90 weiteren Ländern stimmt mich zuversichtlich, dass wir auch in den verbleibenden schwierigen Ländern triumphieren und Polio ein für alle Mal ausrotten können.
AIDS und der Global Fund
Die AIDS-Community hat drei große Ziele:
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Reduzierung der Neuansteckungen. Bis 2015 sollen die Neuansteckungen auf 1 Million pro Jahr reduziert werden, was einem 68-prozentigen Rückgang im Vergleich zur Spitze vor einem Jahrzehnt darstellen würde.
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Bereitstellung von Medikamenten für alle, die sie benötigen, damit Menschen mit AIDS ein längeres und produktiveres Leben führen können. Im vergangenen Jahr starben 1,8 Millionen Menschen an AIDS.
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Suche nach einer Heilung. Zwar gibt es Menschen, die an einem Heilmittel arbeiten, aber dies gilt als so schwierig, dass wir uns nicht darauf verlassen können, jemals eines zu finden.
Der neunzehnjährige Bayeza Manzini unterhält sich mit Fußballspielern über die Vorteile der Beschneidung
(Matsapha, Swasiland, 2010).
Es gibt viele Möglichkeiten, das erste Ziel in Angriff zu nehmen—die Reduzierung von Neuansteckungen. Diese können allein oder in Kombination effektiv sein. Ein Ansatz besteht darin, Menschen davon zu überzeugen, riskantes Verhalten zu vermeiden. Bemühungen um Bildung sind wichtig, und sie werden immer gezielter, doch ihre Wirkung ist unsicher.
Ein zweiter Ansatz ist die Beschneidung von Männern, wodurch die Übertragungsrate von HIV um bis zu 70 Prozent reduziert wird. Die Mittel für die Beschneidung haben inzwischen Priorität, da die Kosten recht gering sind und der Schutz lebenslang anhält. Über 1 Million junge Männer im Alter zwischen 15 und 49 Jahren wurden in 14 Ländern in Süd- und Ostafrika mit großen AIDS-Epidemien beschnitten, aber das sind nur 5 Prozent der Gesamtzahl, die von dem Verfahren profitieren könnten. Und selbst bei der alten Kunst der Beschneidung hat Innovation das Potenzial, einen großen Unterschied zu machen. Die neue Prepex- und Shang-Ring-Instrumente vereinfachen das Verfahren und machen Operationen überflüssig. Erste Studien zeigen, dass die Instrumente sowohl sicher als auch effizient sind. (Ich werde diesen Brief jugendfrei halten, indem ich Bilder zu ihrer Funktionsweise weglasse.) Botswana, Kenia, Südafrika und Tansania beginnen, in diesem Bereich die Führung zu übernehmen, indem sie allen jungen Männern vermitteln, wie wichtig die Beschneidung ist. Kenia hat mit Beschneidungen von 70 Prozent der jungen Männer die größten Fortschritte gemacht. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn sich bis 2015 weniger als 15 Millionen junge Männer entschieden hätten, sich und ihre Partner durch die Beschneidung zu schützen.
Ein dritter Präventionsansatz ist eine Injektion, eine Pille oder ein Gel, die bzw. das bei nicht infizierten Personen die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung reduziert. Die endgültigen Ergebnisse der Studien mit einer Reihe dieser Mittel wurden in den letzten 18 Monaten vorgelegt. Bei Studien, in denen die Patienten die Mittel wie vorgeschrieben verwendeten, waren die Ergebnisse ziemlich gut. Doch in den meisten Studien war die Nutzungsrate gering, und die allgemeinen Ergebnisse waren enttäuschend. Deshalb denken die Wissenschaftler darüber nach, wie sie eine bessere Einhaltung motivieren oder ein Mittel entwickeln können, das weniger Aufwand vom Patienten verlangt. Ein Beispiel in der frühen Entwicklung ist eine Injektion, deren Wirkung 30 bis 90 Tage anhält. Ich denke, wir können das Problem mit der Einhaltung lösen, aber wir müssen dafür sorgen, dass Mediziner, Sozialwissenschaftler, Gemeindevertreter und Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten. Wir müssen allgemeine Bereitstellungssysteme wie Kommunikation, Unterstützung und Anreize auf eine Art und Weise entwickeln und testen, die über das hinaus gehen, was medizinische Studien allein in der Regel leisten.
Ein vierter Ansatz wird Behandlung zur Prävention genannt und besteht darin, HIV-Patienten früher im Verlauf ihrer Erkrankung mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln, wodurch das Übertragungsrisiko stark reduziert wird. Dies geschieht bereits bei schwangeren Frauen, um das Infektionsrisiko für Babys während der Geburt oder beim Stillen zu reduzieren. Der Bereich hat es sich um Ziel gesetzt, bis 2015 90 Prozent der HIV-positiven Mütter mit Medikamenten zu versorgen und so die Mutter-Kind-Übertragung zu eliminieren. Das Hauptproblem bei der Behandlung zur Prävention ist, dass die meisten Menschen, die mit HIV infiziert und damit Krankheitsüberträger sind gar nicht wissen, dass sie infiziert sind und deshalb auch keine Medikamente erhalten. Um das volle Potenzial der Behandlung zur Prävention zu realisieren, müssen wir umfassende HIV-Tests durchführen, wozu die Entwicklung eines zuverlässigen, preiswerten Speicheltests zur Eigenanwendung erforderlich ist.
"Mehr als 6,6 Millionen Menschen
sind heute noch am Leben, weil
sie antiretrovirale Medikamente
einnehmen. Vor zehn Jahren sah
es aus, als ob fast alle diese
Menschen sterben würden,
weil die entsprechenden
Medikamente nur in reichen
Ländern erhältlich waren."
- bill gates
Ein weiterer Ansatz zur Prävention ist ein AIDS-Impfstoff. In dieser Hinsicht lautet die Nachricht in diesem Jahr ähnlich wie die im letzten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das AIDS-Virus, über seine Form, die Art, wie es in Zellen eindringt und wie wir Antikörper nutzen können, um es zu blockieren, ist weiter fortgeschritten als erwartet. Allerdings sind Pläne für die Durchführung von Tests zu verschiedenen Konstrukten angesichts der Tatsache, wie bahnbrechend ein solcher Impfstoff wäre, noch nicht so aggressiv wie sie sein sollten. Es ist immer noch möglich, innerhalb von 12 Jahren einen Impfstoff zu entwickeln, aber dafür werden etwas Glück und eine bessere Planung erforderlich sein.
Es ist spannend, so viele Präventionsansätze zu haben und bei den meisten davon Fortschritte zu machen. Die Finanzierung bleibt ein ernstes Problem, aber ich bin optimistisch, dass alle Beteiligten kombinierte Ansätze entwickeln werden, um eine deutliche Senkung der Infektionsrate bewirken zu können.
Inzwischen hat es auch erstaunliche Fortschritte beim zweiten großen Ziel für die AIDS-Community gegeben: der Verbesserung der Behandlung. Der Hauptgrund dafür ist der Global Fund zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria und das US-amerikanische Programm PEPFAR: der Notfallplan des US-Präsidenten für den Kampf gegen AIDS. Mehr als 6,6 Millionen Menschen sind heute noch am Leben, weil sie antiretrovirale Medikamente einnehmen. Vor zehn Jahren sah es aus, als ob fast alle diese Menschen sterben würden, weil die Medikamente nur in den reichen Ländern erhältlich waren.

Zwischen 2008 und 2010 investierte der Global Fund 8 Milliarden $ in AIDS (57 Prozent), Malaria (29 Prozent) und Tuberkulose (14 Prozent). Neben PEPFAR für AIDS ist der Global Fund der größte Geldgeber für diese drei Krankheiten. Er stellte die Mittel für 230 Millionen Moskitonetze bereit, die wesentlich zum 20-prozentigen Rückgang der Todesfälle durch Malaria in den letzten zehn Jahren beigetragen haben. Außerdem stellte er die Behandlung für 8,6 Millionen Fälle von Tuberkulose. Mein Schreiben enthält dieses Jahr keinen Abschnitt über Malaria oder Tuberkulose, aber es wurden gute Fortschritte bei der Bekämpfung beider Erkrankungen gemacht, und der Global Fund leistet einen wesentlichen Beitrag dazu.
Zabibu Athumani und ihr Sohn ruhen sich unter einem mit Insektiziden behandelten Moskitonetz aus
(Bagamoyo, Tansania, 2011).
Der Global Fund tut viel, um sicherzustellen, dass sein Geld effizient ausgegeben wird. Angesichts der Orte, an denen der Global Fund tätig ist, ist es nicht verwunderlich, dass ein Teil des Geldes für korrupte Zwecke umgeleitet wurde. Allerdings konnte der Global Fund diesen Problemen selbst auf den Grund gehen und hat inzwischen die Art und Weise geändert, wie Ausbildungsbeihilfen gehandhabt werden. In diesem Bereich waren die meisten Probleme aufgetreten. Leider führen Korruptionsnachrichten dazu, dass viele Bürger denken, das gesamte Programm werde schlecht verwaltet und ein riesiger Teil des Geldes verschwendet. Einige der Schlagzeilen, die von Fehlleitungen von etwa zwei Drittel der zweckgebundenen Zuwendungen sprachen, heizten diesen Eindruck noch an. In der Tat wurden weniger als 5 Prozent der Gelder des Global Fund missbräuchlich verwendet und mit den neu eingeführten Verfahren wird dieser Anteil in Zukunft sogar noch geringer sein. Unsere Stiftung ist der größte nichtstaatliche Unterstützer des Global Fund und hat wegen des großen Erfolgs seiner Arbeit über die Jahre 650 Millionen $ gespendet. Ich bin zuversichtlich, dass dies eine der effektivsten Möglichkeiten ist, in die wir unser Geld jedes Jahr investieren, und ich fordere immer wieder andere Geldgeber auf, zusammen mit uns so viel mit ihrem Geld zu bewirken.
Von 2011 bis 2013 wird der Global Fund 10 Milliarden $ an Hilfsleistungen auszahlen—sofern die Spender ihren Verpflichtungen nachkommen. Dies ist ein Anstieg um 2 Milliarden $, aber bei weitem nicht die Summe von 12 bis 14 Milliarden $, die benötigt wird und die der Fund sich erhofft hatte. Die Bürger der Geberländer sollten wissen, welchen Unterschied ihre Großzügigkeit macht. Die Kosten für die Behandlung von AIDS-Patienten mit den entsprechenden Medikamenten sind gesunken, und es sieht so aus, als wären 300 $ pro Patient und Jahr machbar. Das bedeutet, dass pro 300 $, die eine Regierung in den Global Fund investiert, einen weiteren Menschen für ein Jahr mit Medikamenten versorgt. Das Fehlen von 300 $ bedeutet, dass eine Person weniger behandelt werden kann. Das ist eine sehr eindeutige Entscheidung. Menschen, die dies verstehen, würden ihre Regierungen wahrscheinlich sogar dazu auffordern, noch mehr Leben zu retten.
Familienplanung
Melinda konzentriert sich bei ihrer Stiftungsarbeit hauptsächlich auf Familiengesundheit, einschließlich Gesundheit von Mutter und Kind, Ernährung und Familienplanung. Ab 2012 wird sie sich insbesondere auf die Familienplanung konzentrieren. Darauf, Frauen die Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um zu planen, wie viele Kinder sie haben möchten und wann. Sie wird viel darüber sprechen, wie die Möglichkeiten zur Planung das Leben der Frauen und ihrer Familien verändern und damit die gesamte Gesellschaft verbessern. Im vergangenen Jahr traf sich Melinda mit Müttern in Korogocho, einem Slum außerhalb von Nairobi in Kenia. Besonders gerührt war sie von einer Frau, die erklärte, warum sie in der Lage sein möchte, die Zeit zwischen zwei Geburten zu verlängern: „Ich möchte mich intensiv um ein Kind kümmern, bevor ich ein weiteres bekomme.“
Melinda trifft sich mit einer Gruppe von Müttern im Armenviertel Korogocho
(Nairobi, Kenia, 2011).
Eine erstaunliche Sache ist, dass der Wunsch der Eltern, ihren Kindern alles zu geben, einen großen Einfluss auf die nationale Wirtschaft hat. Melinda sprach bei der Weltbank darüber, wie die Entwicklungsländer eine Chance haben, von der so genannten „demografische Dividende“ zu profitieren. Die Vorstellung ist, dass bei Eltern mit weniger Kindern die Länder mehr in Bildung und Ausbildung junger Menschen investieren können. Wenn diese jungen Menschen das erwerbsfähige Alter erreichen, steigern sie die Produktivität und das Wirtschaftswachstum. Südkorea und Thailand sind zwei aktuelle Beispiele dafür, wie Länder, die diese Grundsätze verstehen und anwenden ihre Volkswirtschaften schnell verändern können.
In den nächsten 40 Jahren wird die Weltbevölkerung voraussichtlich um knapp 0,8 Prozent pro Jahr wachsen. Sie hat gerade die 7-Milliarden-Marke überschritten und wird bis 2050 laut durchschnittlichen Schätzungen der UN auf 9,3 Milliarden anwachsen. Allerdings wird sich die Bevölkerung der meisten armen Länder, die es bei der Ernährung und Bildung ihrer Bürger am schwersten haben, zwischen heute und 2050 mehr als verdoppeln. Wenn wir uns die Bevölkerung nach Kontinenten heute und 2050 anschauen, sehen wir, dass sich die Bevölkerung von Afrika mehr als verdoppeln wird (von 1 auf 2,2 Milliarden), während die Bevölkerungszahlen in Asien und Amerika um etwa 25 Prozent anwachsen und in Europa nahezu gleich bleiben.

Betrachtet man die Zahlen auf Landesebene, ergibt sich ein noch eindeutigeres Bild. Zum Beispiel wird die Einwohnerzahl von Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, von 163 auf 392 Millionen—also um 140 Prozent—anwachsen. Dies wird das Leben der Menschen in diesem sehr armen Land wahrscheinlich noch schwieriger machen.
Melinda und ich glauben aber, dass, wenn die richtigen Schritte unternommen werden—und dazu zählen neben der Familienplanung auch die Senkung der Kindersterblichkeit und eine bessere Ernährung—das Bevölkerungswachstum in Ländern wie Nigeria sehr viel geringer ausfallen wird. Fast alle globalen Programme der Stiftung konzentrieren sich auf Ziele, die dies unterstützen.
Weltweit geben mehr als 200 Millionen Frauen an, dass sie in den nächsten zwei Jahren kein Kind bekommen möchten, verwenden aber dennoch keine Verhütungsmittel. Wenn Familien, die den Zeitraum zwischen zwei Geburten verlängern oder weniger Kinder bekommen möchten, Zugang zu den richtigen Mitteln hätten, würden zwei Dinge passieren: Erstens hätten es die Familien leichter, den Herausforderungen der Armut zu begegnen. Zweitens wären die Regierungen durch den allmählichen Rückgang der Bevölkerungszahlen in der Lage, die Bedürfnisse aller Menschen besser zu erfüllen.
Eine beträchtliche Anzahl von Frauen geben an, dass sie Mittel der modernen Familienplanung nutzen würden, wenn sie ihnen zur Verfügung stünden. Leider wurden Finanzhilfen, die diese Mittel billiger machen und die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Informationen für arme Familien lange vernachlässigt.
Die Mittel, die sich im Afrika südlich der Sahara wahrscheinlich am ehesten durchsetzen würden, sind Implantate oder Injektionen, nicht die oralen Kontrazeptiva, die in den Vereinigten Staaten so populär sind. Indonesien hat Implantate bereits für eine breite Masse verfügbar gemacht und mehr als 1,7 Millionen Frauen nutzen sie heute. Die Stiftung hat geholfen, die Qualitätssicherung für ein kostengünstigeres Implantat, Sinoplant II, zu finanzieren, das heute in mehr als 17 Ländern registriert ist und 60 Prozent weniger kostet als die Alternativen. Wir glauben, dass auch Injektionen günstiger werden können. Außerdem könnten sie eine längere Wirksamkeit haben und so angeboten werden, dass die Frauen sie sich selbst verabreichen können. Es ist eine große Anzahl von Schritten erforderlich, um für neue Mittel eine Zulassung zu bekommen, sie herzustellen und sie den Frauen so nahezubringen, dass sie fundierte Entscheidungen zur Verhütung treffen können. Unser Ziel ist es, dass jede Frau die Möglichkeit hat zu entscheiden, wann sie Kinder haben will. Das Ergebnis werden gesündere Mütter und Kinder und wohlhabendere Nationen sein.
Bildung in den USA
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Bildung in den USA
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ABSCHNITT
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Unsere Arbeit im Bildungsbereich in den USA konzentriert sich auf zwei miteinander verbundene Ziele: sicherzustellen, dass alle Schüler die High School abschließen und dann am College Erfolg haben und dass junge Erwachsene, die sich für einen postsekundären Abschluss entscheiden, die Möglichkeit haben, dieses Ziel zu erreichen.
Auf der K-12-Seite haben wir es uns zur Priorität gemacht, Schulen dabei zu unterstützen, ein Personalsystem einzuführen, das die Effektivität des Unterrichts verbessert. Denn die Forschung zeigt, dass ein effizienter Unterricht der wichtigste innerschulische Faktor für Lernerfolge ist. Es gibt eine Menge großartiger Lehrer an öffentlichen Schulen, und viele Lehrer, die gute Arbeit leisten möchten, aber nicht über die Mittel verfügen, die sie dazu benötigen. Wenn wir die durchschnittlichen Lehrer so gut machen könnten wie die besten Lehrer, wäre der Nutzen für die Schüler phänomenal.
"Wenn wir die durchschnittlichen
Lehrer so gut machen könnten wie
adie besten Lehrer, wäre der Nutzen
für die Schüler phänomenal."
- bill gates
Ein Personalsystem umfasst Einstellungen, individuelles Feedback, Unterstützung bei der persönlichen Verbesserung, Zahlungspläne, Sonderleistungen und Kündigungen. Es herrscht Konsens darüber, dass das aktuelle Personalsystem in den öffentlichen Schulen nicht funktioniert. Jedes Element des aktuellen Systems wird kritisiert. Es gibt jedoch keinen breiten Konsens darüber, was geändert werden muss. Viele Staaten gehen weg von einer garantierten Amtszeit mit einer ausschließlich auf dem Dienstalter und dem akademischen Grad basierenden Zahlung, aber die meisten der alternativen Maßnahmen beinhalten keine großen Investitionen in die Bewertung der Lehrkräfte, was die Schulen sehr davon abhängig macht, wie gut ihr Direktor ist und wie gut Testnoten die Effizienz der Lehrtätigkeit wiedergeben.
Ich finde es immer noch schwer zu glauben, dass 95 Prozent der Lehrer keine spezifische Rückmeldung darüber erhalten, wie sie sich verbessern können. Noch wichtiger als ein Zahlungsplan, der Spitzenleistungen belohnt, ist die Definition und Erkennung von Spitzenleistungen, sodass die Lehrer wissen, wie sie sich verbessern können. Bei allen Treffen mit Lehrern im ganzen Land und bei den Umfragen, die wir durchgeführt haben, wird klar, dass die meisten Lehrer sich mehr Feedback wünschen und es nutzen würden, ihre eigene Leistung zu verbessern—elbst wenn die finanzielle Entlohnung dafür vergleichsweise bescheiden ist.
Das überzeugendste Beispiel dafür, dass dies sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer wunderbar funktionieren kann, war ein Besuch von Melinda und mir im Schulbezirk von Tampa in Florida im letzten Herbst. Ein zentrales Element der Vereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem Schulinspektor war, 2 Prozent der Lehrer als Kollegenevaluatoren zu bestimmen. Diese Lehrer wurden darin geschult, den Unterricht zu beobachten und Feedback zu 22 verschiedenen Komponenten zu geben. Auch die Schulleiter wurden in diesem Ansatz ausgebildet. Jeder Lehrer bekommt eingehendes Feedback vom Schulleiter und dem Kollegenevaluator.
Schüler der Thomas Jefferson High School führen ein Experiment im Chemielabor durch
(Tampa, US-Bundesstaat Florida, 2011).
In Tampa geschieht dies bereits seit drei Jahren, und es konnte bereits jetzt ein großer Unterschied festgestellt werden. Die Lehrer sagten uns, dass sie das Feedback aus zwei verschiedenen Quellen—vom Schulleiter, der die Schule am besten kennt und dem Kollegen, der über die spezifischen Herausforderungen des Jobs informiert—schätzen. Die erste Bewertungsrunde ergab, dass viele Lehrer Hilfe dabei benötigen, die Schüler zu kritischem Denken und zur Problemlösung zu bewegen. Der Bezirk hat begonnen, die berufliche Entwicklung rund um diese Erkenntnisse zu organisieren, und die Lehrer haben die Gelegenheit ergriffen, im Klassenzimmer effektiver zu werden.
Als Melinda und ich uns mit den Schülern trafen, sagten sie, dass sie während ihrer Zeit an der Schule eine große Veränderung wahrgenommen haben. Der Erfolg hier machte einen großen Einsatz von Schulinspektorin Mary Ellen Elia, dem President der Classroom Teachers Association Jean Clements und aller Lehrer erforderlich. Ich war besonders von den Kollegenevaluatoren beeindruckt. Sie alle sagten, dass sie durch die Evaluierungsarbeit jetzt einen viel besseren Einblick in das haben, was man als hervorragende Lehrarbeit bezeichnet. Einige von ihnen werden in den Lehrberuf zurückkehren, während andere neue Lehrer ausbilden und ihnen eine bessere Vorbereitung auf den Lehrberuf geben werden.
Nachdem ich gesehen habe, wie wertvoll die Evaluierung ist, denke ich, sie sollte Teil jedes Personalsystems an öffentlichen Schulen sein. 2 Prozent der Lehrer für diese Arbeit einzusetzen stellt eine große Investition dar. Es kann bedeuten, die durchschnittliche Klassengröße um 2 Prozent zu steigern oder die Ausgaben um 2 Prozent zu erhöhen. Bei ihren ohnehin knappen Budgets werden die meisten Staaten keine zusätzlichen Mittel für die Evaluierung bereitstellen, also müssen wir beweisen, dass es sich lohnt, die Klassengröße geringfügig zu erhöhen (um durchschnittlich weniger als einen Schüler pro Klasse). Ohne diese Investition wird es meiner Meinung nach nicht möglich sein, das Evaluierungssystem für die Lehrer glaubwürdig zu machen oder ausreichend spezifisches Feedback zu geben, um die Lehrer dabei zu unterstützen, sich zu verbessern. Auch die Auswertung von Testergebnissen ist in den meisten Bereichen hilfreich, aber sie zeigt in erster Linie nur auf, wer Erfolg hat und wer nicht. Sie hilft den Lehrern nicht, sich zu verbessern. Ich sehe die Bereitschaft, diese Investition als Test dafür zu leisten, ob die Beteiligten es ernst meinen mit einem Bewertungssystem, das wirklich funktioniert.
Auch die Beschleunigung der Entwicklung, Entdeckung und Nutzung innovativer Technologien im Bildungsbereich hat für uns hohe Priorität. Wir haben in letzter Zeit enorme Fortschritte in diesem Bereich gemacht, aber es ist wirklich nur der Anfang. Es muss mehr getan werden, um Lehrer mit den Tools und Informationen zu versorgen, die sie benötigen, um das Lernen persönlicher und einnehmender zu machen.
Social Networking ist dabei einer der vielversprechendsten Bereiche, weil es Lehrern und Schülern hilft, in einer Weise zu kommunizieren, die natürlich erweitert, was im Klassenraum geschieht. Services wie Edmodo, die Social Networking nutzen, erweisen sich wirklich als erfolgreich, weil die Lehrer damit in der Lage sind, alle Aspekte des Klassenzimmers über eine Plattform zu verwalten, mit der die meisten Menschen vertraut sind.
Ein Lehrer mit seiner Schülerin in einer Schule, die mit der Khan Academy zusammenarbeitet
(Los Altos, US-Bundesstaat Kalifornien, 2011). ©Khan Academy
Ich bin auch gespannt zu sehen, wie mehr und mehr Schulen das Klassenzimmer revolutionieren, sodass passive Tätigkeiten wie Vorträge außerhalb des Unterrichts stattfinden, während die Zeit im Klassenraum für Gruppenarbeit und persönliche Interaktionen zwischen Schülern und Lehrern genutzt wird. Die Khan Academy ist ein großartiges Beispiel für eine freie Ressource, die jeder Lehrer nutzen kann, um die Zeit im Klassenraum voll zu nutzen und sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo arbeiten können.
Auch Unternehmen, die über die bloße Digitalisierung von Lehrbüchern hinausgehen, leisten hervorragende Arbeit. Die CK-12 Foundation, Udemy und Ednovo bieten hervorragende Inhalte, die von Lehrern und Gemeinden erstellt werden. Ein einfaches Beispiel dafür, wie stark die Community in diesem Bereich sein kann ist TeachersPayTeachers—ein Marktplatz, der die gemeinsame Nutzung und den Austausch von Unterrichtsplänen und anderen Materialien erleichtert, die von Lehrern selbst entwickelt wurden.
Auch wir gewinnen gerade erste Einblicke darin, wie wirkungsvoll Gaming in einem pädagogischen Kontext sein kann. MangaHigh und Grockit stellen unterhaltsame, wettbewerbsfähige Unterrichtseinheiten auf Spielbasis dar, die ein größeres Engagement und Verständnis fördern. Zoran Popovic vom Center for Game Science der University of Washington geht sogar noch weiter: Er hat einige faszinierende Spiele geschaffen, die sich auf Grundlage der jeweiligen Interaktion mit dem Computer automatisch an die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers anpassen.
MViele dieser neuen Tools und Services haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie erstaunliche Einblicke in die Fortschritte jedes einzelnen Schülers bieten und viele nützliche Daten generieren, die die Lehrer zur Steigerung ihrer eigenen Effizienz nutzen können.
Doch wie finden die meisten Lehrer heraus, was verfügbar und für ihn geeignet ist? Es gibt bisher noch keine gute Antwort auf diese Frage. Gute Technologien bleiben ungenutzt und Lehrer investieren zu viel Zeit und eigenes Geld. Deshalb starte ich dieses Jahr ein Projekt zum Aufbau eines Online-Dienstes, der Pädagogen dabei unterstützt, diese neuen Tools und Ressourcen kennenzulernen und zu nutzen. Ich denke, es gibt keine Grenze dafür, was Lehrer mit den richtigen Tools und Informationen tun können.
Updates zur Foundation
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Updates zur Foundation
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Jeff Raikes verabreicht eine Polio-Schluckimpfung
(Kebbi, Nigeria, 2011).
Jeff Raikes macht auch weiterhin einen tollen Job als CEO der Stiftung. Tachi Yamada, der das Programm Global Health leitete, und Sylvia Mathews, die Leiterin von Global Development, haben zu anderen Arbeitsplätzen gewechselt, und wir danken ihnen für ihre großen Verdienste. Jeff konnte Trevor Mundel für Global Health und Chris Elias für Global Development gewinnen. Wir freuen uns sehr über die Erfahrung und das Talent, die sie in die Stiftung einbringen. Unsere dritte Gruppe, das US-Programm, das sich in erster Linie auf die Bildungsarbeit in den USA konzentriert, wird auch weiterhin von Allan Golston kompetent geleitet.
Mein Vater spricht mit dem Konstruktionsteam bei einer Einweihungsfeier unseres neuen Geländes
(Seattle, WA, 2011).
Im Juni ist die Stiftung auf ein neues Gelände umgezogen. Dieser Campus ist so konzipiert, dass die Zusammenarbeit erleichtert wird. Dazu zählt auch ein Raum für Treffen mit vielen Partnern zu wichtigen Themen der Stiftung. Melinda arbeitete eng mit dem Architekturbüro NBBJ an der optimalen Gestaltung für unsere Arbeitsweise zusammen. Unsere Mitarbeiter erkennen bereits die Vorteile eines einzelnen Standorts, an dem sie leichter zusammenarbeiten können, und sie sagen, dass sie es wirklich zu schätzen wissen, Spendenempfänger und andere Partner vor Ort empfangen zu können.
Mein Vater, William Gates, zusammen mit Melinda und mir Co-Vorsitzender der Stiftung, unterstützt uns auch weiterhin mit Inspiration und Anleitung für einen großen Teil unserer Arbeit. Im Juni hielt er eine Rede vor 10.000 Lions-Club-Mitgliedern, die sich in Seattle zu ihrer Tagung trafen. Zuerst wurden die Straßen für ihre Parade gesperrt, und dann sprach mein Vater über ihre beeindruckende Arbeit bei der Bekämpfung von Masern. Vor zehn Jahren starben jeden Tag 2000 Menschen an Masern. Heute sind es nur noch 500. Mein Vater, der mich immer ermutigt hat, liebte es, eine Arena voller Menschen zu ermutigen, auch weiterhin Kindern das Leben zu retten.
Giving Pledge
Bei Giving Pledge leisten Wohlhabende ein einfaches Versprechen: Sie spenden einen Großteil ihres Vermögens zu Lebzeiten oder testamentarisch. Bis jetzt haben bereits 69 Menschen dieses Versprechen geleistet—mehr als wir zu Beginn erwartet hatten. Als wir 2012 starteten, hörten wir von sechs weiteren Interessenten, die planten, dieses Versprechen sehr bald zu leisten. Und wir sind zuversichtlich, dass viele weitere folgen werden. Es ist inspirierend, die Gründe der Menschen für ihr Versprechen kennenzulernen— Sie finden ihre Briefe auf www.givingpledge.org.
Wir brachten die Gruppe der Geber im Mai zu einem ersten von in Zukunft jährlich geplanten Treffen zum Erfahrungsaustausch zusammen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Eine Menge Leute erkannten, dass sie gemeinsame Ziele haben, sodass Giving Pledge, das eigentlich die Vielfalt des Gebens feiern will, auch dazu beigetragen hat, die Zusammenarbeit zu fördern. Wir beginnen, die Früchte dieser Bemühungen zu sehen, denn die Mitglieder der Gruppe planen jetzt Kofinanzierungen von Projekten.
Warren, Melinda, Azim Premji und ich sprechen über Wohltätigkeit
(Delhi, Indien, 2011)
Warren Buffett, Melinda und ich waren im März in Indien, wo wir uns mit rund 60 reichen Familien zusammensetzten, die uns von der indischen Philanthropie erzählten und mit denen wir Erfahrungen austauschten. Azim Premji, einer der Pioniere der Philanthropie in Indien, schloss sich uns für die Podiumsdiskussion an. Auch Warrens Energie und sein Humor leisteten einen entscheidenden Beitrag. Als es darum ging, ob es nicht besser wäre, wenn die Reichen ihr Geld einsetzen würden, um Arbeitsplätze zu schaffen, stellte Warren fest, dass selbst der Weihnachtsmann Arbeitsplätze schafft—für Elfen und Rentiere!
Eine Sache ist mir sowohl bei dem Treffen von Giving Pledge als auch bei der Veranstaltung in Indien aufgefallen: Das, was die Menschen hauptsächlich davon abhält, noch großzügiger zu sein, ist das Finden philanthropischer Bemühungen, die ihnen das Gefühl geben, wirklich etwas Bedeutendes und Einzigartiges bewirken zu können. Das hat mich dazu gebracht, viel mehr darüber nachzudenken, wie wir das Internet nutzen und es Spendern aller Größen einfacher machen können, Bemühungen und ihre Ergebnisse zu verbinden.
Warum ich optimistisch bin
Anfang 2011 lud Frankreichs Präsident Sarkozy mich ein, einen Bericht für die G20 zu schreiben und persönlich beim Gipfel in Cannes im November zu präsentieren. Dies war eine große Ehre, da es das erste Mal war, dass ein Philanthrop eingeladen wurde, zu dieser Gruppe zu sprechen. Die Organisatoren waren nicht einmal sicher, welches Land sie auf meinen Ausweis schreiben sollten, da ich nicht als Mitglied der offiziellen US-Delegation anreiste. Sie entschieden sich schließlich für „Invitee“ (Eingeladener), sodass ich kurzfristig zum Regierungschef des Landes „Invitee“ wurde.
Im Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy vor einer Plenarsitzung des G20-Gipfels
(Cannes, Frankreich, 2011). ©AP, Charles Dharapak
Mein Bericht konzentrierte sich darauf, wie die G20 dazu beitragen können, dass die Ärmsten nicht vergessen werden, während die reichen Länder mit bedeutenden wirtschafts- und haushaltspolitischen Herausforderungen zu kämpfen haben. Den Bericht „Innovation with Impact: Financing 21st Century Development“ (Wirkungsvolle Innovation: Finanzierung der Entwicklung im 21. Jahrhundert) finden Sie auf gatesfoundation.org. Er beginnt mit einer Beschreibung, wie sehr sich das Leben der Ärmsten in den letzten 50 Jahren verbessert hat. Ein Grund dafür ist die Hilfe aus den reichen Ländern. Eine Menge Aufmerksamkeit der Medien galt meinem Vorschlag einer geringen Finanztransaktionssteuer, einer erhöhten Tabaksteuer und einer Kohlendioxid-Steuer, um Hilfsleistungen zu unterstützen. Keine dieser Ideen findet allgemeine Zustimmung, und keine wird das Problem allein lösen, aber sie können einen großen Unterschied machen, auch wenn nur wenige Länder sie annehmen.
Insgesamt jedoch habe ich versucht, in dem Bericht ein Bild von der unglaublichen Vielfalt der zur Verfügung stehenden Ressourcen für die Entwicklung zu malen. Es sind nicht nur die reichen Geberländer, die einen Einfluss haben. Ich beschrieb auch, was die armen Länder selbst tun, um ihre eigene Entwicklung zu beschleunigen, und ich wies darauf hin, wie schnell wachsende Länder wie Brasilien, China und Indien neue Erfahrungen und Know-how in die Entwicklung einbringen. Außerdem erörterte ich einige Möglichkeiten, wie der private Sektor dazu beitragen kann, das Leben der Armen zu verbessern und Länder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ich finde es spannend, dass innovative Partnerschaften, die die komparativen Vorteile aller Beteiligten nutzen, den Fortschritt und damit den Weg weg von der Hilfe für viele arme Länder beschleunigen.
"Wenn Leute die Geschichten
von Menschen hören, denen
Sie geholfen haben, wollen Sie
mehr helfen, nicht weniger –
daran glauben wir fest."
- bill gates
Die G20-Konferenz selbst war ein Abbild der Herausforderungen, denen die Regierungschefs gegenüberstehen, wobei die Krise der Eurozone einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch nahm. Ich war beeindruckt, dass sich die Staats- und Regierungschefs 90 Minuten Zeit nahmen, um meinen Bericht und verwandte Themen zu diskutieren, und ich hoffe, dass sie sich ein wenig Zeit für die Entwicklung nehmen, wenn sie sich im kommenden Jahr in Mexiko treffen.
Im Anschluss an meine Präsentation machten einige Staatschefs spezifische Vorschläge, um diese Themen zu handhaben. David Cameron sagte, dass sein Land seine Führungsposition von 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2013 in diesen schwierigen Zeiten leichter vertreten könnte, wenn mehr Länder das gleiche tun würden. Ich hatte den starken Eindruck, dass sie selbst sehr positiv dazu stehen, dass Entwicklungshilfe-Budgets auch dann nicht reduziert werden sollten, wenn die Regierungen ihre Ausgaben kürzen müssen. Dies wird jedoch nur möglich sein, wenn die Wähler verstehen, dass die Hilfsgelder, die in den meisten Ländern weniger als 1 Prozent des Budgets ausmachen, in der Regel einen erheblichen Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Ich habe in diesem Brief versucht, dies deutlich zu machen. Ob der Kampf gegen Pflanzenkrankheiten, die Behandlung von Menschen mit AIDS oder die Versorgung von Kindern an abgelegenen Orten mit einem Masern-Impfstoff—bescheidene Investitionen für die Ärmsten machen einen großen Unterschied.
Leider glauben viele Menschen das Gegenteil. Sie sind der Meinung, dass das Geld für die Entwicklungshilfe verschwendet wird, oder dass die Investitionen nicht zu dauerhaften Ergebnissen führen. Melinda und ich werden im kommenden Jahr viel Zeit darin investieren zu erläutern, warum sie sich irren. Die relativ kleine Investition in die Entwicklung hat die Zukunftsaussichten von Milliarden von Menschen verändert, und sie kann das gleiche für Milliarden mehr tun, wenn wir uns entscheiden, weiterhin in Innovation zu investieren. Wir werden diese Nachricht wieder und wieder in unsere Reden und Interviews sowie auf gatesfoundation.org und gatesnotes.com wiederholen, weil wir überzeugt sind, dass die Leute, wenn Sie Geschichten darüber hören, wie sie Menschenleben verbessern konnten, mehr helfen wollen, nicht weniger.
Bill Gates
Co-Vorsitzender, Bill & Melinda Gates Foundation
Januar 2012
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